Wenn das Schauspielhaus zur Regierungsbank wird. Die Präsidentinnen

Es hat ein wenig Recherche verlangt, um zu verstehen, wie Werber Schwab dieses Stück in dieser Form schreiben konnte. Denn nur von seiner Alkoholsucht kann ein solcher Plot unmöglich rühren. Und wenn man sich die Biographie Schwabs ansieht, dann kommt es. Schwere Kindheit, vom Vater verstoßen, bittere Armut, zutiefst religiöse Mutter.

Wenn man von der von Steffi Krautz großartig zelebrierten Grete einmal absieht, so ist dieser zementierte Glaube durchgehend verbunden mit dem offensichtlichen Scheißleben der drei Präsidentinnen. Während die junge Mariedl deutlich darlegt, wie stolz sie darauf ist, dass selbst die vornehmen Menschen sie für die wörtliche Scheißarbeit engagieren, berichtet Erna stolz von ihrer Sparsamkeit und Frömmigkeit. Ein Symbol für Schwabs Mutter? Jedenfalls sind die Parallelen ziemlich auffällig. Vom Mann verlassen, Armut, zutiefst religiös. Gleich dazu hat er sich selbst ins Stück geschrieben als Ernas rebellischen und alkoholkranken Sohn.

Verena Lercher, Birgit Stöger, Steffi Krautz (c) Lupi Spuma

Verena Lercher, Birgit Stöger, Steffi Krautz (c) Lupi Spuma

Schwab setzt in Erna ein starkes Zeichen gegenüber der Kirchenhörigkeit. Ihre Sehnsüchte sieht sie im Zusammenleben mit dem frommen, aus Polen stammenden, Fleischer Karl Wottila, dessen Leberkäse der billigste sei weshalb dann auch alle Menschen zu ihm kommen. Da muss man wohl nicht mal mehr die Eingangsszene, das Anschauen der heiligen Messe aus dem Petersdom in Rom unter Papst Johannes Paul II großartig erwähnen um diesen Vergleich aufzuziehen: Hauptsache billig, dann kommen die Menschen schon von alleine. Gilt bei Schwab ebenso für Leberkäse wie für den Glauben.

Was ist der Sinn des Lebens und wie kommen wir dahin ist das zentrale Thema des Stückes. Die Sehnsüchte der ach so frommen Präsidentinnen, die nach dem Alkoholkonsum offenbart werden zeigen zumindest, dass Schwabs Vorstellung von diesem Sinn wohl nicht durch harte Arbeit, Anpassung und Kirchenhörigkeit erreicht werden wird.

Die Aufführung ist amüsant sofern man sich nicht von der Sprache Schwabs stören lässt und gut zu verfolgen, auch wenn die Sinnfrage erst einmal unbeantwortet bleibt, warum einzelne Szenen jetzt so geschrieben sind, wie sie eben geschrieben sind.

Bleibt die Quintessenz:

Der Herrgott is a Schnellkochtopf
da wirst du ganz schnell weich
er kocht dir deinen schweren Kopf
und tröstet deine Leich

Drei weitere Aufführungstermine stehen noch auf dem Programm. Weitere Informationen auf den Seiten des Schauspielhauses.

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