Brisant, bewegend, Brahms.

Gleich wie in Béla Bartóks Rumänischen Volkstänzen, mit denen der Abend begann, tanzten wir mit den Komponisten, die alle im ehemaligen Kaiserreich wirkten, mit einer Leichtigkeit durch drei Stilrichtungen der Musikgeschichte. Recreation-GROSSES ORCHESTER GRAZ, dirigiert von Heinrich Schiff, führte uns freudig über die Moderne in die ca. eineinhalb Jahrhunderte zurückliegende Wiener Klassik und traf mit Haydns Hornsignal in D-Dur eine wohl gut durchdachte Wahl, die ihr Ziel, nämlich das Publikum bei guter Laune zu halten und es so auf Brahms vorzubereiten, nicht verfehlte.

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Brahms, Quelle: Styriarte

Denn nicht ohne Grund hatte der Hochromantiker bei der Aufführung seines Klavierkonzertes in d-moll 1859 Missfallen, um es noch nett auszudrücken, ausgelöst. Die brisanten Paukenschläge schlugen nach der Pause einen ganz anderen Ton an und so schien es als fast notwendig, dass Heinrich Schiff mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung quer durch die Musikgeschichte dirigierte, und so zu einer Annäherung zwischen Brahms, dem Pianisten Bernd Glemser und dem Orchester nicht unwesentlich beitrug. Doch dabei blieb es leider, denn als harmonische Einheit erschienen der Pianist, das Große Orchester und der seiner Zeit voranschreitende Komponist nicht; die Fröhlichkeit der Tänze und des Hornsignals waren einer starren Konzentriertheit beim Orchester gewichen. Lediglich bei der ersten Violine, bei einem Kontrabassisten und ein paar wenigen Musikern schien es Brahms bis ins Blut geschafft zu haben, denn deren gefühlsgeladenen Gesichts- und Körperbewegungen waren ansteckend. Doch würde es möglicherweise der Realität eher gerecht, die starre Konzentriertheit als verhaltenen Respekt zu deuten, stand doch der sagenhafte Bernd Glemser auf der Bühne.

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Bernd Glemser, © Werner Kmetitsch

Ein Blick in seine Biographie ist inspirierend! Vielleicht war er es, der einen bewegenden Eindruck hinterließ, denn, dass ein vierzigplus-Publikum beim Applaus johlt und mit den Füßen stampft und damit den sich auf einen Gehstock stützenden Dirigenten mehrmals auf die Bühne holt sowie dem Pianisten ein strahlendes Lächeln auf die Lippen zaubert, geschieht auch nicht so oft.

Von Jeta Zhitia

Weitere Konzerttermine im Rahmen der Styriarte findet man unter:

http://styriarte.com/recreation/

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