Recreation: Brahms am Flügel

Unter dem Titel Brahms am Flügel fanden am 26. und 27. Jänner zwei Konzertabende von Recreation – Großes Orchester Graz (Dirigent Heinrich Schiff) im Stefaniensaal statt, an denen die geschickt und klug gewählte Abfolge von Werken dreier Komponisten unterschiedlicher Musikepochen eine meiner Ansicht nach mehr oder weniger mediokre Stückauswahl in günstigster Weise präsentierte.

Zunächst wurden Béla Bartóks Rumänische Volkstänze dargeboten, die in ihrer Schlichtheit quasi als Ouvertüre für den Konzertabend herhalten mussten. Da die 6 Sätze aufgrund ihrer äußerst geringen Länge keine größere gefühlsmäßige Verbundenheit zu dem Gehörten zuließen, mochte man dazu neigen, den herrlichen Darbietungen ihre fehlende Tiefe anzukreiden. Man fühlte sich beinahe erschlagen von den rasch wechselnden Melodien, die allesamt in unterschiedlichsten Variationen durchaus einen ganzen Konzertabend zu füllen vermocht hätten.

Bernd Glemser (c) styriarte

Bernd Glemser (c) styriarte

Nach dem Applaus – der beinahe länger dauerte als Bartóks Volkstänze – wurde zu einem der beiden Hauptwerke des Abends übergegangen: Joseph Haydns Symphonie Nr. 31 in D mit dem pathetisch anmutenden Namen Hornsignal. Der selbstsprechende Titel (oft übrigens auch Symphonie auf dem Anstand genannt) umschreibt bereits in groben Zügen das Werk, das zu Haydns frühen Symphonien zählt und mit belustigter Aufbruchsstimmung (einer Herrenjagd) sogleich den Hörer fesselt, wenn man denn Anhänger Haydns speziellen Zugangs zu musikalischer Ästhetik ist. Spätestens beim Menuet verliert sich sonst die noch im ersten Satz (Allegro) aufgebaute Beschwingtheit durch eher harrende Gespanntheit.

Nach der Pause folgte schließlich der Höhepunkt des Abends, Johannes Brahms‘ Klavierkonzert Nr. 1 (in d, op. 15), das zu den schöneren Klavierkonzerten des 19. Jahrhunderts zählt. Eindrucksvoll sind dabei nicht nur die dramaturgisch eindrucksvollen Passagen (insbesondere zu Beginn des 1. Satzes und beim 3. Satz), die jegliche noch vor Pause vorherrschende Leichtigkeit Haydns vergessen ließen, sondern auch die schwermütige Schönheit der Komposition, der es immer wieder gelingt, den Hörer wünschen zu lassen, das Konzert möge noch nicht so rasch enden.

Bernd Glemser, der bei Brahms‘ Konzert am Klavier brilliert hatte, fügte schließlich nach tobendem Applaus noch eine Zugabe an, ehe die majestätsvolle Größe der zweiten Konzerthälfte als Gefühl mit aus dem Saal genommen werden konnte.

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