Tasten und Saiten

Beethovens Kreutzersonate zählt zu den leidenschaftlichsten Werken der abendländischen Kammermusik. Sogar der große Romancier Tolstoi ist sich des Stückes Zauber bewusst gewesen – lässt er doch den Protagonisten seiner gleichnamigen Novelle aufgrund ebendieser Beethoven-Sonate einen Mord aus Eifersucht begehen. Worauf aber lässt sich die Leidenschaft (manche sprechen gar von Erotik) des Werkes zurückführen? Wohl nicht zuletzt darauf, dass es hier zum Duett zweier Stimmen voller Zartheit und Noblesse, voller Sinnlichkeit und Eleganz kommt: Dem altbewährten Klavier und der sich emanzipierenden Violine.
Genau diese harmonische Kombination aus Tasten und Saiten war es, die das Publikum des Grazer Musikvereins am Abend des fünften Februars zu verzaubern vermochte. Dass hierbei keine Violine, sondern ein Cello als Saiteninstrument zum Einsatz gekommen ist, hat der Magie keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Sol Gabetta gilt seit mehreren Jahren als eine der bedeutendsten Cellistinnen der Gegenwart und konnte ihr wunderbares Talent im Rahmen eines knapp zweistündigen Konzertabends überzeugend unter Beweis stellen. An den Tasten begleitet wurde die 33-jährige Argentinierin von Bertrand Chamayou.

Sol-Gabetta-und-Bertrand-Chamayou

(c) Alexander Hellbrügge

Zum Programm: Der eingangs erwähnte Beethoven kam tatsächlich zum Zuge, und zwar mit sieben Variationen zum berühmten Zauberflöten-Duett Bei Männern, welche Liebe fühlen. Nach diesem kurzweiligen Einstieg folgte das erste Hauptwerk des Abends: Felix Mendelssohn Bartholdy mit seiner zweiten Sonate für Violoncello und Klavier in D-Dur. Das zweite Hauptwerk stammte aus der Feder Frédéric Chopins: Sonate für Violoncello und Klavier in g-Moll. Hierbei stach allen voran der dritte Satz hervor: Wurde in unserer Musikgeschichte je anmutiger komponiert als in diesen vier Minuten? Wie oft wurde die Magie von zarter Verliebtheit in Worten besungen? Wie selten erreichte sie einen solch starken Ausdruck wie bei Chopin? Ein großer Augenblick!
Beendet wurde der Abend durch Variationen von Chopin und seinem befreundeten Cellisten Auguste Franchomme über Themen aus Giacomo Meyerbeers Oper Robert der Teufel. Es folgten drei Zugaben unterschiedlicher Komponisten, darunter der von Gabetta besonders geschätzte Dimitri Schostakowitsch. Dann war endgültig Schluss – und das Publikum beseelt. Ein anregend-sinnlicher Abend, der im Musikverein Graz womöglich in ähnlicher Form am 26. Februar zu erleben sein wird: Da kommt es nämlich zum Dreigespann Violine-Violoncello-Klavier. Man darf gespannt bleiben!

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