Einbildung oder Erinnerung?

Gegenwart der Erinnerung ist ein Festspiel von Gert Jonke und kann zurzeit im Schauspielhaus Graz besucht werden.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Johanna und Anton Diabelli laden zum Feiern in ihr Heim ein. Es soll ein Gartenfest werden, das exakt so nachgeahmt werden soll, wie es schon vor einem Jahr stattgefunden hat. Es wird alles organisiert, was man für ein solches Ereignis braucht. Die Gäste trinken, essen, beschäftigen sich mit Spielen und plaudern miteinander. Als Höhepunkt ist ein Klavierkonzert gedacht, das auch ein Beispiel dafür ist, dass die einzelnen Szenenteile oft absurd auf den Zuschauer wirken. Der Pianist braucht etwa unbedingt einen Gürtel, um auftreten zu können, und sein Klavier ist eigentlich ein xylophonartiges Schlagwerk. Verwirrung stiftet außerdem ein riesiges, eiförmiges Gebilde, das innerhalb kürzester Zeit immer größer und unförmiger wird. Danach diskutiert man um einen beleuchtenden Tisch sitzend und im Dunkeln, ob das Gartenfest vom letzten Jahr doch das Gestrige war. War also alles nur Illusion?

Die Kostüme sind so ausgewählt, dass sie zum Fest einer eher nobleren Gesellschaft passen: Die Männer sind in Anzüge gekleidet, während die Frauen durch farbige Cocktailkleider auffallen.

Das Stück besticht durch seine atmosphärischen Lichteffekte. Es beginnt damit, dass im vorderen Teil der Bühne gedämpftes Licht herrscht, während hinter einer torartigen Öffnung, die durch einen matten, durchscheinenden Vorhang verdeckt wird, die eigentliche Feier im Gange ist. Es kann von einem Schattenspiel durch Licht, das verschiedene sich abwechselnde Gelbtöne hat, gesprochen werden.

Auch die Musik erzeugt eine zu einem gehobenen Fest passende Stimmung. Es beweisen Lukas Hirzberger an der Trompete und Matthias Frank am Schlagwerk ihr Können.

Was die Bühne betrifft gibt es drei Komponenten: Ganz hinten befindet sich der schon erwähnte Raum hinter einem Vorhang, der ihn von der übrigen Bühne abgrenzt. Später wird das Spektakel in den Mittelteil der Bühne verlegt. Danach wird der vordere Teil nach oben gefahren. Es handelt sich hier um ein bewegliches Element, das je nachdem, ob es gebraucht wird oder nicht, einmal hinunter- und hochfährt.

Regie führt die aus Berlin stammende Christiane Pohle.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Inszenierung besonders durch ihre melodische Musik und die durchdachten Lichteffekte überzeugt, leider aber manchmal etwas langatmig ausfällt.

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