Alles Vivaldi- Eine Reise durch die Jahreszeiten

Ein Konzert der Superlative mit dem Kammerorchester Basel, Giuliano Carmignola und Kompositionen von Vivaldi.

Giuliano Carmignola ist ein Superstar, das merkt man nicht nur an seiner musikalischen Leistung, sondern auch daran, dass es für ihn nicht nötig ist, die Bühne vor seinem Auftritt einmal zu betreten. Dies wäre jedoch ratsam gewesen, so wäre es ihm erspart geblieben, erst auf der Bühne festzustellen, dass die dortige Beleuchtung wohl nicht ausreichend ist bzw. er sich selbst im Licht steht. Nach einigen hilflosen, verstörenden Gesten setzt er jedoch das Konzert souverän fort, wie man es von einem Profi nicht anders erwarten würde.

Auch das Kammerorchester Basel ist nicht zu verachten, durch zahlreiche CD-Einspielungen bei renommierten Klassiklabels, gemeinsamem Konzertieren mit renommierten Solisten oder anderen Projekten. Jedoch erscheint es im ersten Moment, als ob das Kammerorchester mit seinen rund 14 Musikerinnen und Musikern es nicht schafft, den ganzen Stefaniensaal im Congress Graz mit seinen Klängen vollständig auszufüllen. Leider gingen auch die Klänge des Cembalo bei den tutti-Passagen unter – nur ab und zu kamen diese zum Vorschein.

Der erste Teil vor der Pause wird dominiert vom Concerti für Violine, Streicher und Basso. Bei den Kompositionen von Verdi ist das Verhältnis zwischen Solisten und Orchester in vielen seiner Concerti weitgehend ausgeglichen. Eine Ausnahme scheint das Concerto für Violine, Streicher und Basso continuo in D-Dur, RV 208,II grosso mogul (um 1717) zu sein. Es ist beschrieben, dass die Solokadenzen von eminenter Bedeutung sind. Bemerkenswert ist, dass die Solokadenz im dritten Satz vollständig von Vivaldi komponiert wurde, wo es jedoch üblich ist, dass die Solisten die Kadenz selbst improvisierten, wodurch sich charakteristische Merkmale gegenüber anderen Interpreten ergaben. Giuliano Carmignola zelebriert auch diese, um sein großes Können zu zeigen. Jedoch kommt es mir so vor, als ob das einzige Ziel ist, immer schneller und schneller zu spielen, wobei die Schönheit der Melodien und Klänge in den Hintergrund der Darbietung gedrängt wurde. Das Staunen der Zuhörer beschränkt sich auf das Können des Solisten. Bei diesem Stück kann der Künstler eine Hommage an sich selbst inszenieren. Den Beinamen des RV 208, Der Großmogul, finde ich hier sehr treffend. Die unsympathische Einstellung zu diesem Stück rührt wahrscheinlich daher, dass der Solist in den Vordergrund gestellt wird und als einzelner brilliert, ich persönlich jedoch einen Hang zum großen Ganzen und Gemeinsamen habe. Auch wenn das RV 208 große Wirkungen auf Johann Sebastian Bach ausübte, blieb diese Wirkung bei mir aus.

Nach der Pause erwartete die Zuhörer die Vier Jahreszeiten.

Die Vier Jahreszeiten zählen nicht nur zu den beliebtesten Kompositionen der gesamten Musikliteratur, sondern auch für mich zu den schönsten Stücken an diesem Abend. Besonders angesprochen hat mich das Adagio molot im Concerto in F-Dur, op. 8/3, L’Autunno. Bei diesem Satz über den Herbst konnte endlich auch das Cembalo brillieren.

Weiters habe ich eine Vorliebe für den Sommer mit seiner imposanten Darstellung von Blitz und Donner! Welch ein einschlagendes Konzert.

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