Wie ein Plätschern im Hintergrund

Das Grazer Philharmonische Orchester führte unter der Leitung Peter Schneiders durch einen abwechslungsreichen, durchwachsenen Abend mit Stücken von Antonin Dvořák, Frank Martin und Franz Schubert. Dank dem Debüt der Pianistin Varvara hatte das Konzert aber den einen oder anderen Höhepunkt.

Dvořáks Carnival Overture ließ den Abend kurzweilig und sehr virtuos beginnen. Schneider setzte die Wertigkeit auf den Kontrast zwischen heiteren, lauten Stellen und ruhigen, traurigen Passagen und zeigte auf, wie tragikomisch der Karneval in der Fastenzeit sein kann. Es folgte das Klavierkonzert Nr.2, eine moderne Komposition aus dem Jahr 1968 des Schweizers Frank Martin, das vor allem durch seine Mischung verschiedenster Stile bekannt ist. Der 1. Satz verknüpfte gekonnt Zwölftonmusik mit Jazz und war dadurch faszinierend und verstörend zugleich. Als Ruhepol fungierte der mittlere Satz, der aufgrund seiner eintönigen, immer wiederkehrenden Klangkörper das Publikum in einen tranceartigen, beinah einschläfernden Zustand versetzte. Das darauffolgende Presto weckte umso mehr auf und hatte neben tollen Soli-Stellen der Russin Varvara vor allem ein unvorhersehbares Ende, das, als ob man den Stecker beim Orchester gezogen hätte, einfach DA war. Die Zugabe Varvaras war melodischer als das Klavierkonzert und begeisterte ungemein. Nach der Pause erklang Schuberts Sinfonie Die Große, die nach einem schönen Beginn das Gefühl erzeugte, sich immer wieder zu wiederholen und vor sich hin zu plätschern. Einzig der dritte Satz war heiter und brachte Abwechslung zum sonst stets bemüht lieblichen Klang. Das Finale nahm dann in seinem Auf und Ab nie ein Ende, so als wollte man keinen Punkt setzen. Eine Kürzung von Wiederholungen hätte der Sinfonie sicherlich nicht geschadet, so trägt sie eher den Titel „Die Lange“.

Varvara Nepomnyashchaya – für NichtrussInnen unaussprechlich; vollkommen verständlich, dass sie im künstlerischen Rahmen nur ihren Vornamen angibt. 😉

Insgesamt war das Konzert sehr anstrengend, die Stücke wirkten weder aufeinander abgestimmt noch überzeugend. Primär enttäuschten die Bläser, die vor allem durch misslungene Einsätze und schlechte Stimmung auffielen. Dass gerade ein Werk wie Martins Klavierkonzert trotz seines expressionistischen Stils und einer guten Solistin nicht bleibend war, lag an der fehlenden Verbindung zwischen Publikum und Orchester. Die Musik war fortwährend wie ein Plätschern im Hintergrund, das zum Abschweifen geradezu einlud und wohl auch das Publikum nach einem kurzen Schlussapplaus dazu veranlasste, den Saal zu verlassen.

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