„Le Passé – Das Vergangene“ schwebt über einem gesamten Abend

Eine Familientragödie zu Patchworkzeiten. Und mittendrin ein Exmann, der es einfach haben könnte, aber nicht will. Die Bühnenfassung von Susanne Felicitas Wolf nach dem Film von Asghar Farhadi lässt tiefe Einblicke gewähren.

Zugegeben: An mir ist der Film von Asghar Farhadi gänzlich vorbei gegangen. Daher kann ich keine Vergleiche ziehen oder ähnliches. Was ich aber sagen kann: Das Stück war noch lange nicht verdaut, nachdem ich das Schauspielhaus verlassen habe. Leichte Kost geht anders.

Stefan Suske, Seyneb saleh und Marco Albrecht (c) Lupi Spuma

Stefan Suske, Seyneb Saleh und Marco Albrecht (c) Lupi Spuma

Denn das, was unter der Regie von Patrick Schlösser auf die von Etienne Pluss hervorragend gestaltete Bühne gestellt wurde, ist schlichtweg großartig. Spätestens nach dem ersten Auftreten der Lucie legt sich eine Anspannung über das Publikum, die bis zum Ende des Stückes immer weiter zunimmt. Die Luft ist zum zerreißen, wenn die in ihrer Adoleszenz bockige Tochter Maries mit ihrer Mutter konfrontiert wird, deren erneute Hochzeit verhindern und nebenbei ihren Stiefvater Ahmad auf ihre Seite bringen möchte.

Eine Familientragödie, die ihresgleichen sucht. Depression, Suizidversuch, Ehebruch, Familienflucht und dazu die Thematik der Sans Papiers scheinen auf den ersten Blick sehr viele Handlungen zu sein, und sind dies zugegeben auch. Doch diese vielen Handlungen wurden so gekonnt miteinander verknüpft, dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht, das vor lauter Spannung nur schwer zu ertragen ist.

Über allem schwebt die im Koma liegende celine - Steffi Krautz, Arman Askarov, Kaspar Locher(c) Lupi Spuma

Über allem schwebt die im Koma liegende Celine – Steffi Krautz, Arman Askarov, Kaspar Locher (c) Lupi Spuma

Das Stück ist mit Marco Albrecht, Birgit Stöger, Steffi Krautz, Kaspar Locher und Stefan Suske brillant besetzt, insbesondere auch die beiden Kinderdarsteller wissen zu überzeugen. Seyneb Saleh jedoch spielt als Lucie nicht nur groß auf, sie spielt ihre Mitstreiter an die Wand. Lucie ist immer da, auch wenn sie nicht auf der Bühne ist. Sie bestimmt die Richtung dieses Stückes. Und das, obwohl oder gerade weil sie einer großen Farce aufgesessen ist.

Man möchte es eigentlich gar nicht wirklich wissen, lieber friedlich im Unwissen nach Hause gehen. Dieser Gefallen wird einem jedoch nicht gewährt. Faszinierend wie ein Autounfall und ebenso erschreckend klärt sich die Geschichte zum Ende auf. C’est formidable!

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