DIDING oder ein Omelett, das sich durch eine Schokoladentür schiebt…

Die digitale Welt ist für uns zur Selbstverständlichkeit geworden, doch wie wirkt sich das Digitale auf unsere Umgebung, das Materielle und letztendlich auf uns selbst aus? In der digitalen Welt ist so gut wie alles möglich, Abstraktes wird fassbar, aber wie sehen Versuche aus, diese Welt real zu machen, ihr Form zu geben? Die Ausstellung „DIDING (= DI-gitales DING) Ein Innen, das ein Außen bleibt?“ widmet sich diesen Fragen und zeigt mit Werken junger, experimentierfreudiger Künstler die strukturelle Ebene des Digitalen. Das Ergebnis ist eine faszinierende Mischung aus abstrakten, mitunter verstörenden, aber auch erheiternden Ausstellungsstücken.

Josh Kolbo, o.T., 2012 4 C-Prints, 320 x 206 x 80 cm, Courtesy Société, Berlin

Die Gegenständlichmachung des Digitalen wird über mehrere Ebenen vollführt, sei es mittels Datencodes, die auf Glasplatten eingraviert werden oder mit Fotopapier, dessen Aufdruck durch Wölbung von 2D in 3D wechselt. Oder aber auch durch das Bild eines Omeletts, das sich durch eine Schokoladentür schiebt und realer wirkt als eine massive Holztür. Auch Stuart Uoo’s Bilder, die Frauen in Alltagssituationen zeigen, schaffen unterschiedlichste Eindrücke; wie etwa No Secrets: Hier liegt eine Frau, komplett in Plastik verhüllt, da – regungslos, in schwarz-weiß. Bilder von Sterben und Tod kommen auf; sie sieht aus wie eine Leiche oder erinnert an einen Fisch, der durch Plastikmüll im Meer erstickt ist und an Land gespült wurde. Sie wirkt leer – da, aber doch nicht anwesend, der Körper in Plastik ist fremder als so manch computergenerierte Figur. Bestechend ist zudem ein Video, wo eine Armee gezeichneter, animierter Cola-light-Flaschen, die mit weißer Flüssigkeit (lt. Programm Milch) gefüllt sind, durch eine düstere, reale Umgebung marschiert. Begleitet werden sie von einer Stimme aus dem Off, die belanglos über Wichtiges „schwafelt“. Es stellen sich Fragen wie: Was ist echt, was gekünstelt? Was erscheint wichtig, was nebensächlich? Wann ist ein Objekt nicht nur mehr ein Objekt, sondern ein Symbol? Der Film spiegelt so die westliche, amerikanisierte Gesellschaft wider, die sich auch auf einem schmalen Grat zwischen Schein und Sein bewegt.

Stewart Uoo, No Secrets, 2014 C-Print, gerahmt, 61 x 44 cm, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin / Köln

Meine persönlichen Eindrücke waren unterschiedlich, es gab sehr faszinierende Objekte, die erheiterten oder alarmierten. Einiges, auch im Rückschluss auf den Titel, blieb mir aber unverständlich bzw. sah ich es im Nachhinein anders als die diversen Künstler. Klar ist aber, wie verschwommen die Grenze zwischen realer und digitaler Welt bereits ist, und umso spannender ist daher die Frage, was noch kommen wird. Auch die Frage „Brauchen wir das Materielle, die Form überhaupt noch?“ schwebte durch den Kopf wie ein Singsang. Wir, die Generation Digital, stehen noch am Anfang der digitalen Entwicklung, 3D-Drucker oder Cyborgs beschnuppern nur die Möglichkeit der Verbindung zwischen realen und digitalen Dingen.

Ein mögliches Abbild der aktuellen real/digital-Beziehung gelingt DIDING allemal und ist somit auf jeden Fall einen Besuch wert.

Die Ausstellung ist von 14.03. – 31.05.2015 im Künstlerhaus – Halle für Kunst und Medien zu sehen.  Weitere Infos unter http://www.km-k.at/de/exhibition/diding/

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