Zweimal Maisky im Musikverein

Am 17. März gastierte der lettische Cellist Mischa Maisky mit seiner Tochter im Musikverein. Mit Saiten und Tasten zogen die beiden einen musikalischen Bogen von Schubert bis Messiaen.

Lily und Mischa Maisky ; (c) http://www.ah-artists.de/?p=583

Lily und Mischa Maisky (c) http://www.ah-artists.de/?p=583

Schon wenn Vater und Tochter die Bühne betreten, ist das feurige Musikerblut dieser zwei Charaktermusiker zu spüren, die sich rein äußerlich bis aufs Haar gleichen (© M. B.). Fast wirken sie wie zwei Raubkatzen: Er der ehrwürdig gealterte Löwe, sie ein junger, scharfsinniger Panter. Eröffnet wurde mit einer Schubertsonate, die in ihrer Originalfassung für ein Arpeggione geschrieben wurde. Das zwischen Cello und Gitarre angesiedelte historische Instrument wird heute meist durch einen Solostreicher ersetzt, so wie es auch an diesem Abend zu hören war. Schon mit dem ersten Satz bewiesen die Maiskys ein jahrzehntelanges Zusammenspiel. Nie in Konkurrenz sondern immer im Miteinander begleitete Lily Maisky das Cello ganz zart, ließ es als Melodieträger hervortreten und agierte dann wieder als gleichwertiger Partner. Es folgten fünf Stücke von Robert Schumann, die sowohl in Dynamik als auch Tempo harmonisch variierten. Besonders einprägsam waren das energisch trotzige vierte Lied und das zweite langsame. Hier konnte Mische Maisky in den langen Tönen die ganze Wärme seines Instruments entfalten, die einem das Rot in die Wangen steigen lässt.

Nach der Pause waren Stücke von Anton Webern zu hören. Folgend auf zwei seiner Frühwerke kamen drei ganz kurze, sehr moderne Lieder. Diese waren so kurz, dass sie doppelt vorgetragen wurden, um noch einmal bewusster gehört zu werden. Und tatsächlich steigerte sich die Spannung zwischen dem ruhigen Schweben und dem plötzlichen Aufheulen bei der Wiederholung noch mehr. Intensiv und eindringlich ging es mit Werken von Messiaen und Debussy weiter, die beide in der Kriegszeit entstanden sind. Messiaen komponierte seine Quatuor pour la fin du temps, von denen zwei Stücke für Klavier und Cello gespielt wurden, in deutscher Kriegsgefangenschaft. Er verarbeitete darin seinen starken Glauben und seinen Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit. Ingo Metzmacher schreibt in seinem Buch Keine Angst vor neuen Tönen über die Komposition: „Selbst in dieser Situation gelingt es Messiaen, eine von innen leuchtende Musik zu schreiben, die an ein Morgen glaubt.“ Das Leuchten dieser Musik erstrahlte auch über hundert Jahre nach deren Entstehung noch, da Intention und Stimmung der Zeit über die Musik auf das Publikum übertragen wurden. Zwischen eindringlich und meditativ wurden an dieser Stelle auch die sehr in sich ruhenden Zuschauer aus ihrer Trance gerissen und konnten nicht anders, als sich der Macht der Musik zu ergeben.
Als Zugabe zum intensiven zweiten Teil gab es Entspannendes von Bloch und Massenet sowie das berühmte Scherzo von Schostakowitsch. Ersteres der drei kann man von einem anderen Konzert mit gleicher Besetzung unter folgendem Link nachhören:

Weitere Informationen zum Musikverein und seinen Konzerten unter:
http://musikverein-graz.at

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