Diagonale: Minor Border & Monumenti

Frühmärzlich tritt in Graz immer wieder eine gewisse Stimmung auf. Dabei nicht unbedeutend ist wohl für allerlei Menschen, die Terminkalender zu zücken, das Diagonale-Programmheftchen frenetisch zu durchblättern, wieder zu durchblättern und noch einmal zu durchblättern. Bei einem dieser Vorgänge findet man einige Favoriten, dann beim nächsten Mal fällt einem der Terminkalender wieder ein und dann ein letztes Mal, schon leicht bis schwer genervt, entscheidet man sich für das eine oder andere Schmankerl. Mein diesmaliges Schmankerl: Das Sammelprogramm bestehend aus Minor Border und Monumenti.

Beide schlagen in eine ähnliche Kerbe und sind wohl tatsächlich nicht zufällig in einem Sammelprogramm. Der 25-minütige Kurzdokumentarfilm Minor Border (Regie: Lisbeth Kovacic) beschäftigt sich mit Grenzübergängen, die seit Schengen nicht mehr von Nöten sind, da Grenzen augenscheinlich nicht mehr existieren. Man sieht die bauliche Entfernung dieser Grenzen während die Stimmen aus dem Off und auch die Macherin Lisbeth Kovacic im anschließenden Gespräch die Frage stellen: Sind Grenzen dadurch überwunden? Stimmungsgewaltig, auf unterschiedlichen Sprachen und nicht zuletzt durch beeindruckende musikalische Elemente zeigt der Film auf, dass diese architektonische Entfernung der Grenzen nicht gleichbedeutend mit einer Entfernung von Grenzen, die Menschen von Europa, von unterschiedlichen Nationalstaaten mit Papier und Stift zugeschrieben werden. Eine oberflächliche Auflösung von Grenzen ist noch schlimmer als keine. Denn für wen bedeutet es etwas, eine Grenze überqueren zu können? Den Zahnarzttourist_innen aus Wien, die sich in Ungarn billigere Goldkronen holen? Stimmt, sie ersparen es sich auf 50 km/h heruntergeholt zu werden, um die verschmälerten Grenzposten zu durchfahren. Stimmt, der Pass kann nun ruhig mal vergessen werden. Nur diese Thematik wäre den kürzesten Film nicht wert. Minor Border schafft es in Kürze tiefgreifendere Problematiken aufzugreifen, die strukturell Menschen benachteiligen, nur aufgrund von Strukturen des Landes, in dem sie geboren worden sind. Ein feiner, gar nicht so minor Einstieg in die Grenzthematik, über den man hier noch weitere Informationen einsehen kann: http://lisbeth.klingt.org/?page_id=945

Monumenti (c) Eva Hausberger

Monumenti (c) Eva Hausberger

Mit Monumenti hat Eva Hausberger viele kleine und größere Teile Albaniens eingefangen und mit nach Graz gebracht. So erzählt diese Dokumentation über die Entstehung eines Monuments von Ismail Qemali zur 100-jährigen Unabhängigkeit Albaniens, beschreibt den Vorgang des Bronzegießens, die Monumentekultur in Albanien, Kommunismus in Albanien, Familienleben in Albanien und zwischendurch wird noch etwas albanische Landschaftsatmopshäre eingepackt. All things Albanien eben. Während man sich nicht entscheiden kann, welcher Teil wohl die meiste Brisanz besitzt, gewährt der Film Einblick in ein Land, das bis Anfang der 90er isoliert von der restlichen Welt existierte und 1997 seine letzten anarchischen Zustände durchlebte. Es bleibt nur bei einem Einblick. Schön und unterhaltsam sind die Geschichten rund um Ladi Mentani, den Bronzegießer von Lenin-, Stalin- und Hoxharstatuen sowie seinen eigenen niemals lachenden, immer aus einer Art Selbstbefreiung heraus gestalteten Bronzefiguren, die er zu Hunderten in seinem Wohnzimmer stehen hat. Aber genug kann einem das nicht sein, geht es um so komplexe Umstände wie in Albanien. Trotzdem verstrickt der Film diese historischen, privaten und künstlerischen Umstände zu einem sehenswerten Puzzle aus faszinierenden Menschen in einem faszinierenden Land.

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