Ein Bach im Kunstgarten

In heimeliger Atmosphäre spielte Olena Mishchi die ersten vier Bach’schen Cellosuiten. Es war ein Abend der besonderen Art, erfüllt von Wärme und Wohlgefühl.

Olena Mishchi (c) s1.wohintipp.at

Olena Mishchi (c) s1.wohintipp.at

Es gibt Plätze, die strahlen einfach etwas Magisches aus. Ein Zauber, der in der Luft schwebt und von dem man sich einfach gefangen nehmen lassen muss. Wenn man den geheimen Kunstgarten gefunden hat, wird man dafür reichlich belohnt. Trotz der Dunkelheit kann man die ersten Ansätze des Gartens erkennen, in dem bald eine Frühlingspracht erblühen wird. Eingebettet in die Pflanzen finden sich Kunstwerke aller möglichen Stile, Länder und Epochen. Ein stimmiges Durcheinander an Leben und Stillleben, das man auf jeden Fall auch einmal bei Tag erleben muss. Durch einen kleinen Gang geht es ins Haus und in ein Vorzimmer/Bibliothek. Und was für eine Bibliothek! Von Büchern aus über 4 Jahrhunderten und zwei freundlichen Gesichtern wird jeder Gast begrüßt. „Das Konzert findet im Wohnzimmer statt. Sie dürfen sich gern hineinwurschteln und ein gemütliches Platzerl suchen“, lautet die charmante Platzanweisung. Und tatsächlich geht man weiter in ein Wohnzimmer voller verschiedener Sessel, Fauteuils und Sofas, auf denen schon ein bunt gemischtes Publikum die Musik erwartet. Wie auch schon im Garten kommt man hier dem Schauen gar nicht nach. Doch da betritt schon die Künstlerin des Abends den Raum, bahnt sich ihren Weg durch die Zuschauer und erfüllt bald den kleinen Raum mit dem warmen Klang ihres Cellos. Olena Mishchi spielte einen Bach, es war vielleicht nicht der Johann Sebastian, den man sich erwartet hatte, aber es war ihr Bach und mit diesem konnte sie schlussendlich auch alle überzeugen. Vielleicht hat der große Meister des Barock seine wundervollen Suiten gar nicht für weite Konzerthallen geschrieben, sondern genau für so kleine Zusammenkünfte, für Hausmusik im schönsten Sinn. Wie sehr steigert sich die Freude am Zuhören, wenn man in einem Kreis aufmerksam lauschender Menschen sitzt! Durch das allgemeine Wohlwollen im Raum konnte man alle hörbaren und stummen Klänge in sich aufnehmen. Da wird nicht bei einem falschen Ton gezischt oder die Augen überdreht, weil ganz klar ist, dass das nicht das Wesentliche an diesem Abend ist. Wer braucht schon Perfektion, wenn er Authentizität haben kann? Das Besondere, das Berührende und Erinnerungswürdige ist selten vollkommen, es wird vielmehr aus der Summe all seiner Vorzüge und Makel sowie dem Mut, diese zu zeigen, einzigartig. Der Kunstgarten Graz, das ist einzigartig.

Weitere Informationen zum Kunstgarten unter:
http://kunstgarten.mur.at/index_d.php

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