Zwischen Wahn und Wirklichkeit

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Woyzeck ist Soldat, verdient aber nur einen Hungerlohn, mit dem er Frau und Kind nicht versorgen kann. Um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen, lässt er sich für die Teilnahme an einem medizinischem Experiment bezahlen. Von Vorgesetzten und Ärzten lässt er sich herumkommandieren, erniedrigen und beschimpfen. Hinzu kommt eine Affäre zwischen seiner Frau Marie und einem Tambourmajor. Auch die zusätzlichen Verdienste können Marie nicht an ihn binden. Stück für Stück entgleitet ihm sein eigenes Leben immer mehr, bis er letztendlich aus dem Strudel zwischen Wahn und Wirklichkeit nicht mehr herausfindet.

Georg Büchner konnte seinen Woyzeck nie fertigstellen, starb er doch während des Arbeitsprozesses im jungen Alter von 23 Jahren. Da sowohl das Ende als auch die Struktur des Stückes nicht festgelegt sind, bietet es sich als ein recht frei zu inszenierendes Stück an. Das kostet der Regisseur Oliver Frljićs voll aus. Zum einen zieht er den in der Vorlage nicht vorhandenen Schluss an den Beginn der Vorstellung. Man sieht den Soldaten Woyzeck am Galgen hängen – sozusagen schon zu Anfang eine Klarstellung, dass es für ihn keine Hoffnung geben kann.

Zum anderen folgen nun lose miteinander zusammenhängende Szenen bzw. Bilder, weshalb es ratsam ist, sich vor dem Besuch des Stücks, mit dessen Inhalt auseinanderzusetzen, denn eine zusammenhängende Handlung wird nicht dargestellt. Viel mehr setzt Frljićs den Schwerpunkt auf einzelne Themen und Motive des Stoffes und stellt diese in grotesken, provokanten und verstörenden Bildern dar. Während in der ersten halben Stunde eine Provokation auf die andere folgt, passiert in der zweiten Hälfte kaum etwas. Sie wirkt leider ein bisschen langatmig und zäh.

Sehr beeindruckend ist die Bühnengestaltung. Die Bühne ist durch eine semitransparente Spiegelwand zweigeteilt, auf der sowohl das sich spiegelnde Publikum (sozusagen ein „Spiegel der Gesellschaft“) als auch der hintere Teil der Bühne zu sehen sind.

Eine sehenswerte, wenn auch die Gemüter erhitzende, Inszenierung!

Weitere Infos und Spieltermine:

http://www.schauspielhaus-graz.com/stuecke/stuecke_genau.php?id=21082

Trailer zum Stück:

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