Ein Regenbogen zwischen Orient und Okzident

Im Rahmen des Festivals Psalm 2015 – einer Veranstaltung der Styriarte – fand am 29. März die Veranstaltung West-östlicher Diwan statt. Neben dem Quartetto die Cremona las Peter Simonischek aus Werken der Weltliteratur.

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Quartetto di Cremona (c) Homepage Styriarte

Der erste Gedanke bei diesem Titel fällt natürlich auf Goethes spätes Werk – die Gedichtbände des West-östlichen Diwans – welche tatsächlich einen großen Teil des Abends ausmachten.

Vorangestellt waren Auszüge aus Der Diwan des persischen Dichters Mohammed Schemsed-din Hafis aus dem 16. Jahrhundert. Diese Gedichtsammlung zählt zu den bedeutendsten Werken der persischen Literatur. Als Motive greift Hafis klassische wie unerwiderte Liebe, Sehnsucht, Trennung, aber auch die Vergänglichkeit des Lebens und Aufforderung zum Genuss des Lebens sowie Kritik an religiöser Scheinheiligkeit auf.

Der Diwan, Quelle: Styriarte

Der Diwan (c) Homepage Styriarte

Eben dieses Werk inspirierte Goethe – geprägt auch durch die Gedanken der Aufklärung – zu seiner umfangreichsten Gedichtsammlung, West-östlicher Diwan (1819), bestehend aus zwölf Büchern. Viele Motive aus Haifs Diwan werden darin aufgegriffen und Verbindungen zwischen Orient und Okzident gezogen.

Bist du von deiner Geliebten getrennt
Wie Orient vom Occident,
Das Herz durch alle Wüsten rennt;
Es gibt sich überall selbst das Geleit,
Für Liebende ist Bagdad nicht weit.
Aus: West-Östlicher Diwan

Abgerundet wurde der literarische Bogen zwischen Westen und Osten oder auch Islam und Christentum durch die Ringparabel aus Gotthold Ephraim Lessings Natan der Weise, die es wie kein anderes Bild zu zeigen vermag, dass keine der drei Weltreligionen – Judentum, Islam und Christentum – beweisen kann, welche die wahre, von Gott eingesetzte Religion ist:

Eine Familie besitzt einen Ring, der von Gott die Gabe erhalten hat, seinen Träger gefällig und beliebt zu machen. Jeder Träger des Ringes vererbt ihn an jenen seiner Söhne, den er am meisten liebt. Bis die Reihe an einen Vater dreier Söhne kommt – jeden von ihnen liebt er gleichermaßen. So lässt er zwei weitere, vollkommen idente Ringe fertigen und vererbt je einen an jeden seiner Söhne. Nach dem Tod des Vaters sieht sich nun jeder als rechtmäßiger Besitzer des einen Ringes. Es kommt wie es kommen muss und ein Richter wird zu Rate gezogen. Welcher ist nun der wahre Ring? Keiner kann dies beweisen, keiner kann sagen, welcher nun der beliebteste Sohn ist. Hat der Ring seine Macht verloren?

Die Geschichte mündet in einen zukunftsweisenden Leitsatz:

Und gewiß! Daß er euch alle drei geliebt, und gleich Geliebt:
Indem er zwei nicht drücken mögen, u
m einen zu begünstigen.
Wohlan! Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!

Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring‘ an Tag

Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

Mit innigster Ergebenheit in Gott zu Hilf‘!

Untermalt und umrahmt wurden die literarischen Worte durch Beethovens letztes Werk, den Opus 130 – auch er wurde von fernöstlichen Einflüssen geprägt und beschäftigte sich immer wieder mit deren Geschichte und Lyrik. Beethovens Werk wiederum übte Einfluss auf das Werk von Felix Medelssohn-Bartholdy aus, dessen Opus 13 den zweiten Teil der musikalisch-literarischen Reise zwischen Ost und West begleitete. Das Quartetto di Cremona überzeugte mit hingebungsvollem Spiel. Vor allem Mendelssohn-Bartholdys Intermezzo: Allegretto con moto. Allegro di molto war sehr eingängig, leicht und fröhlich, daneben fand das Publikum vor allem an Beethovens kurzweiligem Alla danza tedesca großen Gefallen. Auch die Bühnenprojektion durch die Grazer Künstler OchoReSotto vermochte es, den Inhalt in Form eines Regenbogens zu unterstreichen. Leider war dies nicht von allzu langer Dauer, bereits nach wenigen Minuten fielen Teile der Projektion scheinbar unwiederbringlich aus.

Die Lesung der lyrischen Texte durch Peter Simonischek geschah in souveräner Form durch seine deutlich erkennbar geübte und sehr angenehme Stimme. Insgesamt entstand jedoch der Eindruck, einer gewissen Gleichgültigkeit von seiner Seite – oder war es doch nur professionelle Zurückhaltung? Die Intention bei der Auswahl an literarischen Texten erschloss sich dem Zuseher größtenteils – der gedankliche Brückenschlag zu den musikalischen Beiträgen gestaltete sich jedoch schwieriger.

Nichtsdestotrotz handelte es sich um einen gelungenen und kurzweiligen Abend, der es vermochte, Gemeinsamkeiten von Orient und Okzident hervorzuheben und einen weiten Bogen zwischen den Himmelsrichtungen, Kulturen und vor allem Religionen zu ziehen.

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Festivals Psalm 2015 und der Styriarte findet man unter:

http://styriarte.com/psalm/

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