PSALM 2015: Armenisches Requiem

Mit dem Genozid am armenischen Volk machte sich der recreation-Ableger PSALM mit diesem Konzert ein schwarzes Kapitel der Geschichte zum Thema. Verschiedene östliche Kompositionen waren zu hören, die in einem Requiem von Tigran Mansurian ihren tragisch-schönen Höhepunkt fanden.

Christian Muthspiel (c) Werner Kmetitsch

Christian Muthspiel (c) Werner Kmetitsch

Auch der Anfang war Mansurian gewidmet, von dem zuerst eine Romanze für Violine und Streichorchester zu hören war. Rüdiger Lotter wurde als Solist begleitet von einer Streicherauswahl des GROßEN ORCHESTERS GRAZ unter der Leitung von Christian Muthspiel. 70 Jahre vor dem zeitgenössischen Komponisten wurde ein anderer bedeutender Armenier geboren: Komitas, Mönch und Musiker. Seine heiteren Armenischen Miniaturen lassen noch nichts von dem Verbrechen an seinem Volk spüren, dem auch er selbst zum Opfer fallen sollte. Präsentiert von einem charmanten Streicherensemble erklangen sechs kurze Stücke, die die Stimmung eines fröhlichen Volksfestes verbreiteten. Da waren mitunter eine Platane, ein Rebhühnchen und ein Kranich vertont und von den vier Frauen wunderbar feingliedrig dargeboten. Die Instrumentalistinnen waren so gut aufeinander abgestimmt, dass man fast den Eindruck bekommen konnte, sie würden miteinander singen, da jeder gespielte Ton sich perfekt in die anderen klingenden einbettete.
Als zweites Solostück des Abends war ein Quasi parlando für Violoncello und Streicher zu hören. Die Solistin Astrig Siranossian schuf mit ihrem Instrument eine undurchsichtige Atmosphäre in der bunt geschmackvoll gestalteten Helmut-List-Halle.

Astrig Siranossian (c) Nikolaj Lund

Astrig Siranossian (c) Nikolaj Lund

Das Haupt- und Titelwerk das Abends folgte mit erschütternder Eindringlichkeit: Mansurians Requiem, komponiert 2011, das an den Genozid an den Armeniern erinnern soll, der sich heuer zum hundertsten Mal jährt. Es ist ein Requiem, wie es ein europäisches Ohr nicht gewohnt ist. Voller klagender Ausrufe, sphärischer Harmonien und offener Schlüsse klingt es fremd und lässt doch das Leid der anderen mitfühlen. „Ich hoffe, dass mit meiner Verbindung der alten geistlichen und weltlichen Musik Armeniens und dem lateinischen Text hier etwas Unerwartetes, ja mitunter durchaus Paradoxes entstanden ist“, sagt der Komponist über sein Werk. Diese Widersprüchlichkeit wurde von den Musikern in größten Teilen mit der nötigen Intensität gespielt. Neben dem Streichorchester war nun auch das Vocalforum Graz zu hören, das vor allem mit seinen starken Frauenstimmen begeisterte. Als gut gewählte Solisten waren Shirin Asgari und Günter Haumer zu erleben. Die Leitung der verschiedenen Klangkörper gelang phänomenal Christian Muthspiel. Er gehört zu jenen wenigen Dirigenten, die, obwohl sie doch ganz vorne auf der Bühne stehen, sich selbst in den Hintergrund und die Musik in den Vordergrund stellen können.
Die Wirkung auf das Publikum war unbestreitbar stark: stürmischer Applaus für den Komponisten und die Interpreten.

Das Requiem von Tigran Mansurian kann unter folgendem Link gehört werden:

Nähere Informationen zum Konzert unter:
http://styriarte.com/events/armenisches-requiem/?realm=psalm&sti=13347

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