Ein Traum von Schubert beim Festkonzert des Musikvereins

Unter der Leitung von Philippe Jordan gestalteten Bariton Matthias Goerne und die Wiener Symphoniker eine Schubertiade des 21. Jahrhunderts. Das prominent besetzte Publikum feierte einen musikalisch mehr als festlichen Abend.

Philippe Jordan (c) http-//imgartists.com/artist/philippe_jordan

Philippe Jordan (c) http-//imgartists.com/artist/philippe_jordan

Der dynamische Philippe Jordan feierte im Musikverein seine Rückkehr nach Graz, wo er vier Jahre die Position als Chefdirigent der Oper inne hatte. Sein fulminantes Comeback eröffnete er mit Schuberts Ouvertüre in D-Dur. Mit den Wiener Symphonikern, deren Vorsitz er seit Kurzem einnimmt, zauberte einen wunderbar weichen Klang, der alle Schubert-Freunde selig aufseufzen ließ. Mit seiner spielerischen Art zu dirigieren (ohne Dirigierstab sondern mit bloßen Händen!) gab er seinem Orchester oft nicht einmal den Takt vor und harmonierte mit den Musikern trotzdem auf ganzer Linie. Die Vorarbeit zum Konzert ist eben doch nicht zu unterschätzen und wenn sie so gründlich geleistet wurde wie hier, kann man sich am großen Abend jede Freiheit erlauben. Auch die anderen Orchesterstücke des Abends waren von derselben Lieblichkeit wie das zu Beginn erklungene. Die Ballettmusik und Schauspielmusik aus Rosamunde, Fürstin von Zypern zeigten die zärtlich ruhigen als auch die wild verspielten Seiten der besagten Gestalt. Leider zerteilt in drei Teile hörte man Schuberts 3. Symphonie. In bewusst gemäßigtem Tempo hauchte er den bekannten Melodien neuen Zauber ein. Erst im letzten Satz ließ er die Zügel los und sorgte somit für einen flotten Abschluss.

Matthias Goerne (c) Margo Borggreve

Matthias Goerne (c) Margo Borggreve

Als zweiter Programmpunkt waren Schubertlieder in verschiedenen Bearbeitungen für Orchester und Solist vorgesehen. Diese in dieser Weise ganz neue Art, die großartigen Lieder Schuberts zu interpretieren, ist den Musikern meisterhaft gelungen. Solist Matthias Goerne überzeugte mit seinem weichen dunklen Schmelz und zarter Höhe bei jedem einzelnen Werk. Seine lange Auseinandersetzung mit Schubert, die großteils auf CD festgehalten ist, ließ ihn mit einer Leichtigkeit und Vertrautheit singen, die an eine alte Freundschaft erinnerte. Von dem Streicher-lastigen Orchester wurde sein Bariton feinfühligst begleitet, sodass er trotz der großen Anzahl an Musikern nie seine Stimme über das Maß des Liedgesangs heben musste. Von einem leisen Tränenregen bis zum aufbrausenden Erlkönig erhielten die Lieder durch die Orchestrierung eine noch stärkere Betonung ihres atmosphärischen Charakters.

Das begeistert klatschende Publikum wurde mit zwei Zugaben belohnt: Der Forelle und, wie könnte es bei einer richtigen Schubertiade anders sein, dem Ständchen.

Weitere Konzerte des Musikvereins unter:
http://www.musikverein-graz.at

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