Der Wahnsinn hat einen neuen Namen: Motel

Ein Rezeptionist (Thomas Frank) steht gedankenverloren an seinem Arbeitsplatz, hinter ihm hängen Unmengen an Schlüsseln – das Motel ist offensichtlich nicht besonders gut besucht. Er erhält Besuch von einem der raren Gäste, einem Autor (Stefan Suske), der nicht schlafen kann und nach Schlafmitteln verlangt. Die beiden kommen ins Gespräch. Der Autor schreibt gerade an einem Roman, der in eben diesem Motel spielt, der Rezeptionist sowie der Schreiber selbst kommen darin als Figuren vor. Man erfährt, dass es eine besondere Geschichte ist, voller Merkwürdigkeiten und Mysterien, die den Autor zwingen, immer weiter zu schreiben. Er überlässt dem Rezeptionisten sein Manuskript. Dieser beginnt zu lesen, man wird in die Geschichte mithineingenommen.

MOTEL Ensemble (c) Lupi Spuma

MOTEL Ensemble (c) Lupi Spuma

An dieser Stelle stoppt aber auch schon der rote Faden, den man in weiterer Folge nur noch vergeblich sucht. Man verliert langsam aber sicher jeglichen Überblick darüber, ob die eben dargestellte Szene Teil des Manuskripts ist, oder tatsächlich passiert, ob es sich nun um die erfundene Geschichte des Autors handelt, oder ob dieser nur mitnotiert, was gerade wirklich geschieht. Was war zuerst da? Das Manuskript oder doch die Figuren? Oder vielleicht auch das eigene, vom Rezeptionisten verfasste Manuskript? Es gibt mehrere Handlungsstränge, die parallel verlaufen und – mal grob, mal sehr eng – ineinander verwoben sind. Bis zum Schluss scheinen diese Verwirrungen, Täuschungen und Verwechslungen derart ad absurdum geführt zu werden, dass man nicht mehr sicher weiß, wo oben und unten ist, ob das nun alles so geplant war, oder ob die SchauspielerInnen ihrem zuvor nur gespielten Wahn nun doch vollends verfallen sind.

MOTEL Ensemble (c) Lupi Spuma

MOTEL Ensemble (c) Lupi Spuma

Ein riesengroßes Kompliment muss dabei an das Bühnenbild (Hanna Penatzer) ergehen, das sich durch die Drehbühne immer wieder verändert. Man wirft ständig Blicke in unterschiedliche Räume des Motels, erhält durch die Zwischengänge Einblicke in Dinge, die gerade so nebenbei passieren – egal, ob diese nun zur Geschichte passen oder einfach nur komplett absurd sind.

Ein ebenso großes Kompliment geht auch an die Licht- sowie Tontechnik (Licht: Thomas Trummer; Musik: Klaus von Heydenaber; Sound- und Tondesign: Gábor Keresztes; Videodesign: András Juhász) – ein perfektes Zusammenspiel mit großartigen Effekten lässt das Publikum nur staunen. Besonders beeindruckend waren dabei die vermeintlichen Hänger in der Tonspur, die von den SchauspielerInnen großartig dargestellt wurden, ebenso Szenen, die plötzlich (teilweise minutenlang!) rückwärts abliefen.

Sebastian Reiß, Stefan Suske, Jan Thümer (c) Lupi Spuma

Sebastian Reiß, Stefan Suske, Jan Thümer (c) Lupi Spuma

Motel (von András Vinnai und Viktor Bodó) ist ein großartiges Stück, das sich kaum beschreiben lässt – auch empfinde ich diese meine Rezension als eher plumpen Versuch, diesem grenzgenialen Stück gerecht zu werden (wobei es gerade „grenzgenial“ vielleicht am besten trifft…). Diese zweieinhalb Stunden sind vergangen wie im Flug, im Publikum wurden Tränen gelacht, man war von Anfang bis Ende mit Spannung dabei und konnte gar nicht fassen – und schon gar nicht verstehen –, was sich da vor unseren Augen so abspielt.

Leider fand diesen Donnerstag schon die letzte Vorführung von Motel statt – eine Wiederaufnahme wäre aber sehr empfehlenswert!

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