Shakespeare 101: How to tame your partner

Anlässlich seines 450. Geburtstages hat das Schauspielhaus Graz in Zusammenarbeit mit der Kunstuniversität Shakespeares Stück  Der Widerspenstigen Zähmung in neue Kleider gehüllt auf die Probebühne gebracht.

Shakespeares Komödie erzählt die Geschichte der zwei grundverschiedenen Schwestern Katharina (gespielt von Magdalena Wabitsch)  und Bianca (Shana Shophie Brandl). Während sich „Everybody’s Darling“ Bianca vor Verehrern nicht retten kann, hat sie dank ihrer Schwester „der widerspenstigen“ Katharina nicht die Qual der Wahl: Denn Baptista Minola (Virginia V. Hartmann), der Vater der beiden, hat bestimmt, dass sich Bianca erst vermählen darf, wenn auch ihre ältere Schwester einen Ehering an ihrem Finger hat. Und trotz der erheblichen Mitgift hat sich noch niemand gefunden, der sich um Katharina bemühen will. Das liegt, wie Hortensio (Christoph Steiner), einer von Biancas Verehren, anmerkt, daran, „daß sie unerträglich bös und wild, Zänkisch und trotzig über alles Maß,“[1] ist. Doch einen kann ihr Ruf schließlich doch nicht abschrecken: Petruchio (Lukas Gander).

Dieser tritt in der Inszenierung im Schauspielhaus unter der Regie von Holle Münster als Rebell in Cowboymanier auf die Bühne, und steht mit seiner ungehobelten, direkten Art im Gegensatz zum gekünstelten, affektierten Verhalten der Gesellschaft in Padua, das sich wiederum in der Kleidung der Schauspieler*innen spiegelt: Perücken in grellen Farben – alle drei Verehrer Biancas zeichnen sich durch eine feuerrote Haarpracht aus – extravagante, glitzernd-groteske Kleidung – Reifröcke, Lack, breite Halskrausen – High Heels und Plateauschuhe. Kurz: Sie wirken, als wären sie der Rocky Horror Picture Show entlaufen.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Ihre gegensätzlichen Charakterzüge werden den Zuseher*innen bei Bianca und Katharina zusätzlich über ihr Aussehen vermittelt: So tritt Bianca gänzlich in weiß gekleidet und mit langen schwarzen Haaren auf, während die blondhaarige Katharina vollkommen in schwarz gekleidet ist. Und während Bianca den ganzen Tag damit verbringt, ihren Verehren schöne Augen zu machen, kommentiert Katharina das Verhalten ihrer Schwester und der anderen durchaus treffend: in dem sie sich die Seele aus dem Leib kotzt (was zusätzlich auch an dem Verzehr von Unmengen von Chips und hochprozentigem Alkohol liegen könnte).

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Während sich in Shakespeares Fassung Petruchio und Katharina bei ihrer ersten Begegnung mit Worten bewerfen, liefern sie sich in dieser Inszenierung ein wortloses Duell, was auch gut funktioniert, aber die Grenzen der Ekelempflindlichkeit der Zuseher*innen erheblich ausreizt. Zur eigenen Hochzeit erscheint Petruchio, gleich wie im Original, zu spät, und ignoriert auch hier gekonnt die Grenzen des guten Geschmacks, wenn er spärlich bekleidet im Tanga mit Leopardenmuster, die Bühne betritt.

So ist es auch passend, dass Petruchio Katharina nach der Hochzeit die Perücke vom Kopf reißt, da er sie dem gekünstelten Padua geraubt hat. Daheim in seinem Landhaus beraubt er sie aber auch ihrer Würde – würde man Shakespeares Komödie in einen Beziehungsratgeber verwandeln, wäre der Titel wohl: How to tame your partner in 10 steps – step 1: Essensentzug. Was in der Komödie funktioniert, wobei auch offen bleibt, ob das Ganze nicht vielleicht doch nur ein Traum der in der ersten Szene exzessiv feiernden Katharina ist, würde ein solches Verhalten in der Realität wohl eher im Gefängnis als in einer funktionierenden Ehe münden. Trotz ihrer Zähmung und Unterordnung kann Katharina in der Inszenierung auch weiterhin aktiv handeln, zumindest endet das Stück sehr zeitgemäß – dieses zu sehen ist am 28. Mai wieder möglich.

[1] Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung. Erster Aufzug, Zweiter Auftritt. URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-widerspenstigen-zahmung-6793/4 [04/2015]

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