Wir sind keine Barbaren! Oder?

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(c) Lupi Spuma

Am Vormittag des 15.04. postet der ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary Arabesken auf seiner Facebook-Seite ein Foto von einem Flüchtlingsboot. Kurz zuvor waren 400 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken, und seine Kollegin Corinna Milborn hatte sich auf Twitter gefragt, „was jetzt wohl los wäre, wenn heute 400 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes im Mittelmeer ertrunken wären“. El-Gawhary Arabeskens Antwort: „Wir wären aus allen Häfen des Mittelmeers live zugeschaltet, würden Sondersendungen fahren und Rechenschaft für die Verantwortlichen einfordern.“

Am selben Abend besuche ich das Stück Wir sind keine Barbaren! auf der Schauspielhaus-Graz-Probebühne. Auch hier steht ein Flüchtling im Mittelpunkt, der eines Tages vor der Haustür von Barbara und Mario, gespielt von Seyneb Saleh und Christoph Rothenbuchner, steht und um Einlass sowie einen Platz zum Übernachten bittet, was ihm auch gewehrt wird. Zuvor hatte er es schon bei deren neuen Nachbarn Linda und Paul, gespielt von Steffi Krautz und Florian Köhler, probiert, die ihm jedoch jegliche Hilfe verwehrten. Es folgen hitzige Diskussionen zwischen den Nachbarspärchen. Während die beiden männlichen Protagonisten eher diskussionsscheu daherkommen, schenken sich ihre Partnerinnen nichts. Auf der einen Seite steht Barbara, die es als europäische, privilegierte Frau als ihre Pflicht ansieht, dem Flüchtling zu helfen, auf der anderen Seite steht Linda, die der Ansicht ist, dass das privilegierte Leben in Europa hart erarbeitet sei und sie es deshalb nicht einsehe, dem Flüchtling etwas von ihrem Hab und Gut zu geben. Denn er habe sich ja selbst in diese Situation gebracht. Wörter wie Gutmensch und Rassist werden sich gegenseitig an den Kopf geworfen. Zwischendurch wird es dunkel und ein das Volk repräsentierender Sprechchor ruft Parolen in den Raum, die an PEGIDA-Plakate und Kommentare auf HC Straches Facebook-Seite erinnern. Barbara steht mit ihrer Ansicht bald alleine da. Aus Angst vor dem Fremden baut Paul sogar einen panic room. Als Barbara eines Tages verschwindet und nicht mehr als eine Blutlache hinterlässt, scheinen sich die Befürchtungen der neuen Nachbarn zu bewahrheiten. Jedoch nur dem Anschein nach.

Der Regisseurin Christine Eder gelingt es, dem doch sehr ernsten Thema durch auflockernde Musik während den einzelnen Szenen etwas Leichtigkeit zurückzugeben. Auch der Charakter des trotteligen Paul gibt dem Stück die nötige Prise Komik.

Ein Stück zu einem brandaktuellen Thema und auf jeden Fall sehenswert! Die nächste Vorstellung findet am 12. Mai statt.

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