Malambo! Feuriger Tanz aus Portugal und Argentinien

Seit 14. März ist an der Grazer Oper eine Aufführung mit der Tanzkompanie und verschiedenen Musikergruppen zu sehen. Hinter dem Kofferwort Malambo! verstecken sich moderene Tanzeinlagen, die sich auf südländisches Kulturgut wie Tango und Fado beziehen.

Szene aus Tangata (c) Werner Kmetitsch

Szene aus Tangata (c) Werner Kmetitsch

Der dreigeteilte Abend begann mit Musik von Astor Piazolla und einer Choreographie von Ricardo Fernando. Unter dem Titel Tangata (einer musikalischen Mischung aus Tango und Fuge) war die gesamte Tanzkompanie in androgynen Anzugkostümen in Aktion. Die Kontraste in Schwarz und Weiß unterstrichen zwar die Kanten und Ecken im Tango, jedoch blieb das leidenschaftliche Feuer des Tanzes dabei auf der Strecke. Oft waren die weiblichen von den männlichen Tänzern nicht zu unterscheiden, was durch die aufgefädelten Aufstellungen noch verstärkt wurde. Wechselnd zwischen diesen „All men“-Szenen waren immer wieder kurze Auszüge kleinerer Gruppen eingeflochten und sorgten so für ein kurzweiliges Erlebnis. Das Konzept der schlichten Linien setzte sich auch in der Gestaltung der Bühne fort , die nur aus einer großen offenen Mauer und 17 Stühlen bestand. Die Elemente wurden alle eingesetzt und durch Drehungen der Bühne in neue Perspektiven überführt. So wie man Piazolla kennt mit viel Akkordeon, das seufzend und dann wieder streng marschierend die Melodie führt, waren auch die Bewegungen der Tänzer immer sehr gut auf die Musik abgestimmt. Strenges Gehen in Reih und Glied war ebenso zu sehen wie geschmeidig schöne Zusammenspiele zwischen Mann und Frau, aber auch Frau und Frau sowie Mann und Mann.

Szene aus Fado (c) Werner Kmetitsch

Szene aus Fado (c) Werner Kmetitsch

Nach der Pause folgte der eindeutige Höhepunkt der Show mit dem Fado. Hinter dem Vorhang kommt ein Straßenkaffee zum Vorschein, vielleicht irgendwo an einem heißen Sommerabend in Lissabon, in dem sich eine Gruppe Arbeiter zum Tanz trifft. Auf der Brüstung sieht man drei Gitarristen, die ihre zarten Saitenklänge mit der Straße teilen. Eine dunkle Schönheit betritt die Bühne und haucht mit ihrer Stimme der Abendstunde noch den besonderen Funken ein.
„Fado ensteht durch Leiden. Er entsteht durch Liebe. Das ist seine Magie.“ (- Mariza, Sängerin)
Die Sängerin des Abends, Carla Pires, erzählte mit jedem Ton eine Geschichte voll Leidenschaft, die immer auch von Leiden begleitet ist. Zusammen mit den Musikern und dann wieder a capella hüllte sie Bewegungen der Tänzer in eine Wolke aus schummriger Wärme.

Carla Pires (c) Werner Kmetitsch

Carla Pires (c) Werner Kmetitsch

Der Tanz (Choreographie: Vasco Wellenkamp) schien für die Akteure ihr Ausdrucksmittel zu sein – sie erzählten, hörten und reagierten mit ihren Körpern, ohne ein Wort sprechen zu müssen. Als Solistin stach Dianne Gray hervor, die mit ihrem unwiderstehlichen Tanz einen inneren Kampf auszutragen schien. Viel zu schnell ist der Ausflug ins heiße Lissabon vorbei und der Weg ist frei für den dritten Teil.

Mit Estancia fand der Abend seinen Abschluss, der leider nicht zum richtigen Finale werden konnte. Der Ballettdirektor der Oper Graz, Darrel Toulon, entwarf sein Bewegungsspiel zur Musik des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera. Neben Musikern des Grazer Philharmonischen Orchesters war nun auch Gesang von Ivan Oreščanin zu hören. In Tanz und Klang fehlte bei diesem Stück leider ein bisschen der rote Faden und so blieb die Spannung auf das Ende aus. Die Kostüm- und Szenenwechsel wirkten wahllos und deren Bezug zur Musik war bis zum Ende nicht klar ersichtlich. Ein interessanter Einfall gelang allerdings mit dem Einsatz von Luftakrobatik, bei der die Tänzer an Seilen hängend durch die Luft schwebten.

Szene aus Estancia (c) Werner Kmetitsch

Szene aus Estancia (c) Werner Kmetitsch

Nach knapp drei Stunden ist das Spektakel vorüber, wobei durch die geschickte Einteilung die Zeit gar nicht ins Auge fällt. Ein Tipp für alle Freunde des modernen Tanzes und jene, die es werden wollen.

Mehr Informationen zum Stück unter:
http://www.oper-graz.com/stueck.php?id=20894

Ein Trailer zur Show:

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