Heute schon gelacht?

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(c) Stefanie Bachmann

Begleitend zur, von Helmut Konrad kuratierten, Sonderausstellung Die Steiermark und der „Große Krieg“ gibt es im Museum im Palais seit einiger Zeit eine Veranstaltungsreihe, die sich mit Themen rund um den Ersten Weltkrieg beschäftigt. Sonntag, der 19.04. stand ganz im Zeichen der Unterhaltungskultur. Wie bei den bisherigen Veranstaltungsterminen gab es zum Einstieg die Möglichkeit, an einer Führung durch die Sonderausstellung teilzunehmen (freier Eintritt!). Die Veranstaltung fand anschließend im Rokoko-Ambiente des Veranstaltungsraumes im 2. Obergeschoss statt. Einleitende Worte fand der Coautor des Buches Galgenhumor. Kleine Kunst im Großen Krieg. Ein Beitrag zur k. k. Unterhaltungskultur 1914 bis 1918., Dr. Hans Veigl vom österreichischen Kabarettarchiv. Einen kurzen Überblick über Etablissements und Protagonisten gebend, sprach Veigl vom „Hurrapatriotismus“ des Jahres 1914, der sich zwar schon ein Jahr später halbiert hatte, was jedoch keine Auswirkungen auf den Theaterbetrieb haben sollte. Während die Bevölkerung mit Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen hatte, wurde auf den Theaterbühnen die heile Welt vorgegaukelt. Denn Institutionen der Freizeitgestaltung waren bis zum Ende des Krieges Meister der Verdrängung. So konnte man sich noch 1918 eine Melange in der „Kronprinzbar“ oder dem „Café Leopold“ genehmigen. Und plötzlich ertönte der bekannte Rhythmus des Radetzkymarsches. Die Musiker Reinhard Kogler und Helmut Stippich, ausgestattet mit Ziehharmonika, Gitarre und etlichen Percussioninstrumenten, begleiteten in der nächsten dreiviertel Stunde den am Schauspielhaus Graz tätigen Schauspieler Stefan Suske, der mit seiner kräftigen und facettenreichen Stimme kurze Passagen aus dem zuvor erwähnten Buch vortrug. Er erzählte von Unterhaltungskünstlern wie Franz Lehár , dessen Librettisten Fritz Löhner-Beda, Robert Stolz, Fritz Grünbaum und Roda Roda, die mit ihren Theaterstücken, Dichtungen und Berichten „groteske Zerrbilder realer Verbrechen“ erschufen, um Karl Kraus zu zitieren. Kriegskabaretts boten den Krieg in heroischen Bildern an, die mit hohlen Aussaugen unterstrichen wurden. Daneben wurden Literaten wie Hugo von Hofmannsthal, von dem zwar die Worte „Es gilt, dabei zu sein.“ stammen, der sich jedoch mit Hilfe seines Freundes Hermann Bahr und einer angeblichen Nervenschwäche in das frontenferne Kriegspressequartier versetzen ließ, ausgesandt, die Ereignisse des Krieges zu verherrlichen. Zwischendurch lockerten die Musiker Kogler und Stippich die Veranstaltung mit Schlagern wie dem kriegsglorifizierenden „Rosa, wir fahren nach Lodz“ und den trivialen Gute-Laune-Liedern „Draußen im Schönbrunnerbad“ und „Geh, sag doch Schnucki zu mir“ auf – besser könnte der Charakter der Unterhaltungskultur des Ersten Weltkrieges nicht veranschaulicht werden. Wer auf den Geschmack gekommen ist: Das Buch zur Veranstaltung kann man über kabarettarchiv@aon.at bestellen oder direkt im österreichischen Kabarettarchiv (Elisabethstraße 30, Literaturhaus Dachgeschoß) bzw. in Buchhandlungen erwerben. Noch zwei Veranstaltungstipps am Rande: Am 21.05. wird der 75. Geburtstag Peter Orthofers (1940-2008), dessen Nachlass sich im ÖKA befindet, im Literaturhaus Graz ab 20:00 Uhr zelebriert. Während Roland Knie aus dessen Werk vorlesen wird, wird Mag. Nicole Singer, die Teile des Nachlasses in ihrer Diplomarbeit bearbeitet hat, einen kurzen Überblick über Leben und Werk geben. Der nächste Termin der Veranstaltungsreihe des Museum im Palais wird am 8. Mai ab 17:00 Uhr stattfinden. Hier der Link zur Veranstaltung: http://www.museum-joanneum.at/museum-im-palais/ihr-besuch/veranstaltungen/events/event/08.05.2015/und-shiwa-tanzte

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