Vieux Carré – Von Sehnsüchten und Verzweiflung

Wenn man auf der Suche nach einem Theaterstück ist, das innerhalb von eineinhalb Stunden jede erdenkliche Emotion hervorruft, dann sollte man sich wohl Karten für Vieux Carré besorgen. Das aufrüttelnde, autobiografische Werk des US-Dramatikers Tennessee Williams ist bekannt als das persönlichste seiner Stücke und wird seit 26. April 2015 im Schauspielhaus Graz auf der Probebühne aufgeführt.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Sebastian Schug, der nun zum zweiten Mal Regie am Schauspielhaus Graz führt, hat Williams‘ Stück perfekt inszeniert. Dieses spielt im titelgebenden Stadtviertel in New Orleans und beginnt mit einem Einblick in das Leben der verschiedenen Bewohner einer schäbigen Pension. Ein junger, ruheloser Autor, der auf der Suche nach sich selbst ist, beobachtet die grotesken Gäste und ihre skurrilen Lebensweisen mit Vorsicht. Zu diesen zählen unter anderem die blutkranke Modezeichnerin Jane (Seyneb Saleh) und ihr drogensüchtiger Freund Tye (Christoph Rothenbuchner), der in einem Stripclub arbeitet, sowie Nightingale (Franz Solar), ein todkranker Maler. Auch die zum Einsatz kommenden Vertuschungstaktiken der verarmten Damen Mary Maude (Philine Bührer) und Miss Carrie (Verena Lercher), die einen adeligen Status vortäuschen, zeugen vom moralen Verfall der Stadt. Die Besitzerin Mrs. Wire (Birgit Stöger) und ihre Angestellte, genannt „Mammy“ (Elisabeth Wondrack), vervollständigen die außergewöhnliche Zusammensetzung der Pension.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Vorwiegend werden Sehnsüchte, Verzweiflung und Einsamkeit thematisiert. Obwohl Skurrilität und Wahnsinn in der gesamten Spielzeit vorherrschen, befindet man sich als Zuseher in einem emotional sehr angeregten Zustand und fühlt mit den Charakteren mit. Was zu Beginn noch vertuscht wurde, um den Schein einer annehmbaren Gesellschaft zu trügen, eskaliert mit der Zeit zu einem Treiben des Wahnsinns. Wenn man bedenkt, dass sich Tennessee  von seinen früheren Begegnungen für seine Theatercharaktere inspirieren ließ, erscheinen die Personen und ihre Handlungen noch intensiver. Zudem überzeugt die schauspielerische Leistung der Akteure in vollem Maße.

Das Stück wird noch einige Male im Mai aufgeführt. Ein Besuch kann nur empfohlen werden – eine sehr gelungene und sehenswerte Aufführung, die lange in Erinnerung bleibt!

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