Ein vorletztes Mal missverstehen.

Ich bin eine große Freundin von großen Anfängen wie beispielsweise diesem hier. Seien sie auch noch so klein gehalten. So auch der Fall bei Das Missverständnis. Im beinahe völlig finsteren Schauspielhaus steht ein Puppenhaus auf der abgeschrägten Bühne. Darüber zieht Nebel auf und innen gehen Lichter an. Stimmen aus dem Off von Mutter und Tochter geben schon Vorgeschmack auf die Themenkomplexe. Fremd sein und fremd fühlen, Glück und Träume, Wiederkehren, Verbrechen, das Meer sehen. Ein Einstieg, der die Geschwindigkeit und die Tiefe des Stückes vorgibt und die bis zum Ende beibehalten werden.

Nur drei Personen schauspielern und schlüpfen beinahe unbemerkt zwischen den – zugegeben – auch nicht unüberschaubaren 5 Rollen hin und her und spielen mal ohne unterkörperlose Puppen, meistens aber mit. Ein Fakt, dem vielleicht die eine oder andere schon im Vorfeld des Stückes skeptisch gegenübersteht, beispielsweise ich. Zu Unrecht wie sich deutlich zeigt. Mit einem Flair von Schaurigkeit und unglaublich vielen Emotionen, die sich alle aus einem starren Gesichtsausdruck, gefertigt aus wahrscheinlich nicht mehr als einem Pappmaché ähnlichen Stoff, erstaunlicherweise ablesen lassen, bleibt nur mehr die Skepsis gegenüber der Skepsis am Puppenspiel.

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(c) Lupi Spuma

Die Puppen stehen für die Rollen, die die Figuren im Stück einnehmen. Spielen sie ohne – zeigen sie also ihr tatsächliches Gesicht – zeigen sie auch im metaphorischen Sinne ihr wahres Gesicht. Ansonsten sind sie „fremd“, verheimlichen, verstecken. Und trotz der Subtilität, die dieser Metapher zu Grunde liegt und trotz der Absehbarkeit über den Verlauf der Geschichte und wie diese Rollen zueinander finden, verfällt man der Tiefe und der Intensität, die das Stück ohnehin zu vermitteln weiß. Ein letztes Mal missverstehen kann man noch am 12. Juni.

Der Trailer zum Stück:

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