Salome oder a head will roll…

Salome kommt nach Jahren der Abwesenheit ins Reich ihres Stiefvaters Herodes Antipas zurück und findet sich in einem Sumpf aus Völlerei, sexueller An-und Übergriffe sowie „Dominanz“ ihrer Mutter Herodias wieder. In der Vollmondnacht erreicht das dekadente Treiben seinen Höhepunkt; Hoffnung bringt hier der gefangene Prophet Johannes, der ein Ende des Status Quo heraufbeschwört. Mit seinen radikalen Aussagen bezirzt er wider Willen Salome, was Folgen für alle Beteiligten hat und für Johannes kopflos endet.

Die Inszenierung der Salome am Schauspielhaus ist durchwegs klassisch, aber gezielt durch Videoelemente unterstützt, die die Gefühlswelt der Protagonisten verdeutlichen. Steffi Krautz als Herodias ist grandios, sie findet mühelos die Balance zwischen machtsüchtiger, als Hure verdammter Herrscherin und verzweifelter Mutter. Herodes Antipas (Stefan Suske) ist ein richtiger „Ungustl“, der sich wohlweislich mit Ja-Sagern (typisch österreichisch mit roter, schwarzer und blauer Krawatte?!) umgibt. Kaspar Locher (Johannes) ist fremd und faszinierend – seine tosenden Reden aus dem Untergrund bilden das „Gewissen“ des Abends. Salome ist eine zerrüttete und kindliche Frau, deren Glaube, ihre Suche nach Liebe ohne Hintergedanken und Machtspiele hätte bei Johannes endlich ein Ende, bitter enttäuscht wird. Evi Kehrstephan spielt sie eindringlich und nutzt die Zeit des Stücks geschickt, ihren Charakter zu entwickeln. Ein toller Kniff sind aktuelle Aussagen über Religion, Politik, Fanatismus etc. während der Pause, die durch unterschiedliche Aneinanderreihung neue, interessante Perspektiven schaffen. Nach der Pause ändert sich auch die Inszenierung, sie passt sich der Gegenwart an – in Kostümen und Sprechart – die Zeitlosigkeit der Themen ist unübersehbar.

Evi Kehrstephan, Stefan Suske, Steffi Krautz & Kaspar Locher (c) Lupi Spuma

Evi Kehrstephan, Stefan Suske, Steffi Krautz & Kaspar Locher (c) Lupi Spuma

Die Aktualität von Religion und den damit verbundenen Extremen stehen lt. Programm im Zentrum des Stücks. Leider wirkt dieser Johannes mehr wie ein verschrecktes Kind, als ein von seinem Glauben überzeugter Prophet. Salome, die ihre Abscheu gegenüber dem aktuellen Zustand zunächst deutlich zeigt, reagiert auf die Zurückweisung Johannes‘ egoistisch und fordert trocken IHRE Rechte ein. Herodes liebäugelt mit den Ansichten des Propheten, seine Gründe sind aber eine Mischung aus Machtverlustängsten und der Faszination dieser neuen, andersartigen Denkweise. Klar wird auch, dass Liebe und Macht sich nicht gut vertragen – weder für das Herrschergeschlecht noch für den asketisch lebenden, sich der Religion verschriebenen Jünger. Alle scheitern an gegenseitigen Machtspielchen und gegenseitigem Verlangen und man wundert sich, dass schlussendlich nicht mehr Köpfe als der des Propheten rollen.

Nächste Vorstellung: 29.Mai 2015

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