Le Passé – das Vergangene

Das Kind schreit, die Mutter schimpft, die pubertierende Tochter wütet – und mittendrin ein kleiner Junge, der sich die Ohren zuhält und am liebsten die Flucht ergreifen würde. Das Theaterstück Le Passé von Susanne Felicitas Wolf (nach dem Film von Asghar Farhadi) zeigt das wohl unharmonischste und düsterste Kapitel des Lebens einer Patchworkfamilie.

(c) Lupi Spuma

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Mit einer lieblichen Wiedersehens-Szene am Flughafen beginnend, vermutet man (ohne Vorkenntnisse der Handlung) beinahe, dass es sich in diesem Stück um eine schöne Liebesgeschichte handelt. Doch die Fassade der glücklichen Familie fängt sofort zu bröckeln an, als das Spiel seinen Lauf nimmt. Ahmad (Marco Albrecht), Maries Noch-Ehemann, kehrt nach vier langen Jahren aus dem Iran nach Paris zurück. In dieser Zeit hat sich einiges im Hause getan. Marie (Birgit Stöger) hat einen neuen Freund (Kaspar Locher), den sie zu heiraten gedenkt. Dem nicht genug, erwartet sie ein Kind von ihm. Doch dies sind nur wenige Auszüge der Verhältnisse: Ahmads Stieftochter Lucie (Seyneb Saleh), die sich gerade in einem schwierigen Alter befindet, hegt regelrechten Hass für den neuen Partner ihrer Mutter. Der sechsjährige Fouad (Arman Askarov, Felix Schwarz) fühlt sich nicht wohl in der Patchwork-Familie und will zu seiner wirklichen Mutter Celine (Steffi Krautz) zurück. Diese liegt jedoch nach einem Selbstmordversuch im Koma.

(c) Lupi Spuma

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Nach und nach werden in diesem Werk Ereignisse aufgerollt und Geheimnisse enthüllt. Schnell entwickelt man eine gewisse Empathie für die Charaktere und versucht, ihre Handlungen und Taten zu verstehen. „Der Grund, für alles was passiert, liegt in der Vergangenheit„, meint der Filmemacher Asghar Farhadi. Genau diesen Eindruck erhält man bei Le Passé. Denn man bemerkt schnell, dass es nur aufgrund von nicht aufgearbeiteter, unbesprochener Ereignisser zu solch einer Eskalation der Gesamtsituation kommen konnte.

(c) Lupi Spuma

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Eine Szene der Aufführung ist mir persönlich besonders im Gedächtnis geblieben: weinrotes Licht, im Krankenzimmer der komatösen Celine, im Hintergrund die melancholischen, traurigen Klänge einer Geige, gespielt von Fouad und seinem Vater. Ein sehr berührender, wunderschön inszenierter Moment in Le Passé. Die letzte Aufführung findet am 13. Juni 2015 auf der Hauptbühne im Schauspielhaus Graz statt.

Der Trailer zu Le Passé – das Vergangene:

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