Kultum Slam, yeah!

In der gemütlichen Atmosphäre des kleinen Minoritensaales performten letzten Freitag zum letzten Mal vor der wirklich viel zu langen Pause – der nächste Kultum Slam findet erst am 16. Oktober statt: Save the Date! – Poetinnen [1] ihre Texte vor vollem Haus.

Dreizehn ist ja entweder eine Glücks- oder Unglückszahl, immer abhängig von der Perspektive, im Fall des Kultum Slam war es auf jeden Fall ein Glück, dass sich dreizehn Slammerinnen gefunden haben, durch deren Perfomance der Abend wie im Nu verflogen ist. Und mit dem Opferlamm-Beitrag von Mieze Medusa, die gemeinsam mit Markus Köhle wie auf Wolken durch den Abend führte, waren es ja eigentlich eh vierzehn.

Besonders machte den Abend vor allem die Unterschiedlichkeit der Beiträge – was sowohl die Form (Textform und Performance auf der Bühne) als auch den Inhalt anbelangt. Durch den Mix war sicher auch für jede Zuseherin etwas dabei, auch wenn natürlich nicht alles gleich gefiel.

Wir hörten von Friedhofspowerrangern (Patrizia), natürlich auch von Liebe (Raffael), von Intelligenz oder dem Nicht-Vorhandensein von ebenjener (George), Entwicklungspfaden (Mona), dem Unterschied zwischen einer Hollywood-Romanze und dem „wirklichen“ Leben (Agnes), von Sprechreiz und holden Hommies (Florian Cieslik – um herauszufinden, was genau es damit auf sich hat, einfach das YouTube-Video am Ende der Rezension ansehen!), von Stauden, Stauden und nochmals Stauden (Klaus): Wodurch ich dazugelernt habe, dass man erstens sehr lange über Stauden texten, und zweitens dass man über Stauden auch sehr gut lachen kann bis einem die Tränen kommen – sicher einer der witzigsten Beiträge des Abends!

Auch aktuelle politische Zustände wurden satirisch thematisiert: In Scheißfrühling (Mario): „Wenn Europa kein verdammter Zoo ist, warum ist es dann so heftig umzäunt?“, eine Formulierung, die es meiner Meinung nach auf den Punkt bringt, und auch bei Christina T., die sich die österreichischen Politikerinnen als Wettläuferinnen vorstellte und dazu die Kommentatorin machte à la: „Die Grünen stehen noch vor dem Hindernis und überlegen, ob es eine Hürde oder eine Hürdin ist.“ und „Das gibt’s ja net, der Strache schummelt sich schon wieder rechts außen vorbei.“

Auch darüber, warum man sein Kind besser nicht Giselherr taufen sollte (Geri), leicht behaarte Seelen (Fabian) und über die fleischlichen Gelüste – „Meein Steak!“ – (Christina P.) wurden die Zuseherinnen im Verlauf des Abends aufgeklärt. Und last but not least: Warum es keine gute Idee ist, auf der Zugfahrt von Budapest nach Hause The Age of Innocence von Edith Wharthon auf Englisch zu lesen (Theresa). Gezählte zweimal wurde der gute Goethe zitiert, der sicher, wenn er in unserer Zeit leben würde, selbst auf jedem Poetry Slam präsent wäre – was eine gute Storyline für ein neues Buch von Timur Vermes wäre: Er ist wieder da: Goethe Edition – aber die Texte hätten auch sehr gut ohne seine Präsenz leben können.

Zwar war ich nicht immer mit der Jury einer Meinung, was die Punktevergabe für die einzelne Poetin betraf, was die drei Finalistinnen anbelangt aber sehr wohl – neben dem Fixstarter Florian Cieslik aus Deutschland, dem man seine Slam-Erfahrung, was Ausdruck und vor allem Bühnenpräsenz anbelangt, anmerkte, wurden Mona und Agnes weitergewählt, die ihre Texte beide frei vorgetragen hatten, und deren Texte aus einer Mischung aus Emotionalität, Ernst und Wortwitz bestanden, sodass man zeitgleich zum Nachdenken (über das Leben im Allgemeinen, über Entwicklungsmöglichkeiten und Perfektionismus im Besonderen) und zum Lachen angeregt wurde. Verdient gewonnen haben schließlich ex aequo Florian und Agnes, die ihre Premiere auf dem Kultum Slam gleich mit einem Sieg feiern konnte, auch wenn der Abstand zur Zweitplatzierten letztendlich so gering war, dass man eigentlich von drei Siegerinnen sprechen kann.

Um mit Worten aus den letzten Worten, Teil 2, von Florian Cieslik zu schließen: „Es war so semantisch zwischen uns!“ – See you im Oktober, Kultum Slam!

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[1] Anmerkung: Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wurde in dieser Rezension auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung (z.B.: Zuseher*innen) verzichtet, und stattdessen durchgängig die weibliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten aber im Sinne der Gleichbehandlung für alle Geschlechter.

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