Von Elefanten und der Liebe…

An einem Autor kommt man derzeit im deutschsprachigen Raum nicht vorbei – Wolf Haas. Die legendären Brenner-Krimis werden regelmäßig mit Publikumsliebling Josef Hader verfilmt und auch seine letzten Romane fanden großen Anklang in der Literaturszene. Das Schauspielhaus Graz, das bereits einige Adaptionen der Haas-Romane auf die Bühne brachte, wagte sich mit Verteidigung der Missionarsstellung in eine Erzählwelt, die ständig zwischen Fiktion und Realität wechselt und sämtliche Möglichkeiten des Geschichtenerzählens ausprobiert.

Benjamin Lee Baumgartner ist Halb-Indianer und verliebt sich nicht oft – zwei Mal um genau zu sein – und zwar jedes Mal zeitgleich mit dem Ausbruch einer Epidemie. Als er sich inmitten der dritten Seuche wiederfindet, wird er wieder von der Liebe überrascht, aber anders als gedacht. Während Baumgartner die Welt bereist wartet seine Frau, „die Baum“, auf ihn und sein Nachbar, gleichzeitig der Ich-Erzähler der Geschichte, klärt bei Benjamin‘s Hippiemutter gewollt ungewollt mehr Dinge auf, als den beiden lieb sind. Am Ende stellt sich die Frage – was ist wirklich passiert und wo hört die Lebensgeschichte auf und fängt die Fiktion an?

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Steffi Krautz als „die Baum“ und vor allem als Benjamins Hippie-Mutter ist genial, sie bringt Haas‘ Sprache auf den Punkt und an das Publikum. Die Szenen, wo sie als „die Baum“ das Manuskript des Ich-Erzählers liest, seien hier erwähnt – selten machte Zuschauen am Lesen so viel Spaß! Die restlichen DarstellerInnen sind ebenso unterhaltsam: Seyneb Saleh kokettiert mit Akzent, Evi Kehrstephan überrascht mit Chinesisch-Kenntnissen, Marc Fischer könnte als Wolf Haas Double Karriere machen und Jan Gerrit Brüggemann mimt den Liebeskranken(sic!) höchst sympathisch.

Wolf Haas‘ Sprache funktioniert für die Bühne wahnsinnig gut; die Wortspielereien sind prägnant, verständlich und sehr unterhaltsam. Die in sich selbst verwobene Geschichte ist verständlich und lässt trotz vorgegebenem Bühnenbild viel Raum für Interpretationen. Transparente Trennwände, die Videos und Bilder zeigen, unterstützen die Sprache, übertünchen sie aber nie. Ein Kritikpunkt ist, dass man merkte, dass das Stück für die Probebühne konzipiert war, die Hauptbühne als Zuckerl der letzten Vorstellung war hin und wieder ein wenig zu groß. 😉

Leider ist das Stück nicht mehr zu sehen, daher möchte ich den Roman, der eins zu eins adaptiert wurde, jedem/r ans Herz legen, der/die ihn noch nicht gelesen hat. Wolf Haas schafft es nicht nur eine interessante Liebesgeschichte voller Überraschungen zu schreiben; er nimmt auch seine Arbeit ein wenig aufs Korn und stellt den Konflikt eines Autors mit seinen Figuren und der Entstehung einer Geschichte dar. Und genau wie die Liebe sollte auch eine Geschichte wie eine Seuche sein – unvorhersehbar, ansteckend und voll ungeahnter Folgen.

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