wow! Woven – Einblicke in die Welt des Textilen

Die von Christian Egger kuratierte Ausstellung wow! Woven? – Entering the (sub) Textiles im Künstlerhaus, Halle für Kunst & Medien, beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Facetten der textilen Welt. 

Dass Textilien ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturgeschichte sind, ist bekannt. Dass Textilien keineswegs unpolitisch, nein im Gegenteil sogar, ein politisch aufgeladenes Thema sind, auch. Gerade diese Verschränkung von Stoffen mit den Bedingungen ihrer Herstellung wird in der Ausstellung sichtbar gemacht. Dabei beziehen sich die zeitgenössischen Ausstellungsobjekte nicht nur auf die aktuelle Lage, sondern greifen verschiedene geschichtliche Epochen und deren spezifischen Umgang mit Textilien auf.

So etwa in Judith Raums Disestablish: Diese geht zu den Anfängen der Aufstände gegen schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilbranche zurück. Ihr Werk verknüpft sie dazu mit den Ergebnissen der Schriften des italienischen Historikers Rodolico zum Aufstand der Ciompi (Florentiner Textilarbeiter*innen) zu Ende des 14. Jahrhunderts. Bereits um 1378 setzten sich diese für eine Verbesserung ihrer Arbeitsverhältnisse ein, und forderten die Gründung von einer Gewerkschaft, politische Vertretung ein, und einen Schuldenerlass. Künstlerisch setzt sie dies durch die Gestaltung von den Raum ausfüllenden, bedruckten Bannern um. Die aus Seidenstoffen bestehenden Banner wirken jedoch nur mit den entsprechenden Hintergrundinformationen zur Geschichte. Rubén Grilo hingegen beschäftigt sich nicht mit einem punktuellen Ereignis, sondern mit Veränderungen im Lauf der Geschichte: der Bedeutungswandel des Denim-Stoffes, ausgehend von der Industrialisierung, wird von ihm in drei Ausstellungsobjekten veranschaulicht.

Rubén Grilo, High Five Zara composition01.ai (the Poignant), 2014 Lasergewaschenes und -geschnittenes Indigo-Denim auf Aluminiumrahmen, Druckknöpfe, Faden, 135x240 cm, Courtesy Nogueras Blanchard, Barcelona / Madr

Rubén Grilo, High Five Zara composition01.ai (the Poignant), 2014
Lasergewaschenes und -geschnittenes Indigo-Denim auf Aluminiumrahmen, Druckknöpfe, Faden, 135×240 cm, Courtesy Nogueras Blanchard, Barcelona

Einer der Beiträge der Ausstellung, die am stärksten in Erinnerung bleibt, ist das Projekt LOOMSHUTTLES/WARPATHS von Ines Doujak und John Baker. Unter dem Titel Not Dressed for Conquering beschäftigen sie sich mit den Arbeitsbedingungen von Näher*innen in Fabriken, und der Verwobenheit von Bekleidung und Kolonialismus. Das aufwendige Projekt sorgte zuletzt mit einer in Barcelona ausgestellten Skulptur für Aufruhr. Die in Graz ausgestellten Objekte zeigen, wie Stoff bedruckt sein würde, wenn die Produktionsbedingungen auf diesem sichtbar werden, wie etwa den Flammen der Fabriksbrände. In der zusätzlichen Videosequenz (auf englisch) inszenieren Schauspieler*innen die letzten Augenblicke im Leben einer Fabriksarbeiterin. Eine ausführliche Dokumentation des Projektes findet sich auf der Website der Künstlerin.

Auch Sasha Reichenstein setzt sich in ihrer Videoinstallation The Production of Tradition mit Produktionsbedingungen auseinander. Woran denkt man, wenn man „Lederhosen“ hört? Sicher ist, dass einem dabei nicht Sri Lanka in den Sinn kommt – gerade dort, werden diese aber auch produziert. Reichensteins Videosequenzen zeigt die verschiedenen Arbeitsschritte, wobei die Intention, die Differenz zwischen Herstellung und konstruierter ‚Herkunft‘ sichtbar zu machen, gelingt.

Sascha Reichstein, The Production of Tradition, 2009 HD-Videos, Farbe, Ton, 19 Sequenzen, Courtesy die Künstlerin

Sascha Reichstein, The Production of Tradition, 2009
HD-Videos, Farbe, Ton, 19 Sequenzen, Courtesy die Künstlerin

Gerade bei den Werken mit geschichtlichen Bezug sind die Kontextinformationen wichtig, um die Intention zu fassen. Wer sich darüber hinaus mit dem Thema beschäftigen möchte, dem ist die parallel zur Ausstellung stattfindende Veranstaltungsreihe An Art Day’s Night zu empfehlen, in der die Künstler*innen ihre Werke näher vorstellen und*oder mit einer Perfomance unterlegen. Das nächste Künstler*innengespräch findet am Do, 18.06. mit Elisabeth Gschiel statt.


Künstler*innen der Ausstellung:  Anna-Sophie Berger, Heidi Bucher, Merlin Carpenter, Ines Doujak / John Barker, Manfred Erjautz, Rubén Grilo, Sheila Hicks, Ann Cathrin November Høibo, Helena Huneke, Hannah James, Marie Lund, Christian Mayer, Lisa Oppenheim, Judith Raum, Sascha Reichstein, Amanda Ross-Ho, Yorgos Sapountzis, Constanze Schweiger, Johannes Schweiger, Ingrid Wiener.

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