Warum Krieg?

Der letzte Termin der Veranstaltungsreihe im Rahmen der Ausstellung Die Steiermark und der „Große Krieg“ stellte sich die Frage „Warum Krieg?“.

Im Jahr 1932 luden der Völkerbund und dessen Internationales Institut für geistige Zusammenarbeit Albert Einstein dazu ein, mit einer Person seiner Wahl über ein Thema seiner Wahl zu diskutieren. Der Völkerbund ging aus der Pariser Friedenskonferenz hervor und sollte nach dem Ersten Weltkrieg den globalen Frieden sichern, was ihm, wie wir heute wissen, nicht gelang. Ein Krieg dieses Ausmaßes deutete sich 1932 nur schleichend an, die Vision eines Weltfriedens war noch lebendig.

„Es gäbe genug Geld, genug Arbeit, genug zu essen, wenn wir die Reichtümer der Welt richtig verteilen würden, statt uns zu Sklaven starrer Wirtschaftsdoktrinen oder –traditionen zu machen. Vor allem aber dürfen wir nicht zulassen, daß unsere Gedanken und Bemühungen von konstruktiver Arbeit abgehalten und für die Vorbereitung eines neuen Krieges mißbraucht werden. Ich bin der gleichen Meinung wie der große Amerikaner Benjamin Franklin, der sagte: es hat niemals einen guten Krieg und niemals einen schlechten Frieden gegeben“, so Einstein. Der Physiker, der sich als „militanter Pazifist“ bezeichnete, suchte sich Sigmund Freund als Diskussionspartner aus. Einstein stellte Freud die Frage, ob es einen Weg gäbe, die Menschheit vom Krieg zu befreien, sie wiederstandfähiger gegenüber den „Psychosen des Hasses und des Vernichtens“ zu machen. Interessenskonflikte mit Gewalt zu lösen, sei laut Freud naturgegeben und tief im Menschen verankert. Der Mensch sei durch lediglich zwei Triebe, den Sexualtrieb und den Aggressionstrieb, gekennzeichnet. „Eine sichere Verhütung der Kriege“, sei laut Freud nur dann möglich „wenn sich die Menschen zur Einsetzung einer Zentralgewalt einigen, welcher der Richtspruch in allen Interessenskonflikten übertragen wird“, was für ihn in der Realität aber utopisch und nicht durchführbar erschien.

Der Briefwechsel der beiden war nun die Grundlage für die Veranstaltung „Warum Krieg. Reflexionen über eine grundlegende Frage der Menschheit“ am 28. 06. 2015 im Museum im Palais, 101 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo und nur kurze Zeit nach der Amokfahrt in Graz. Nach kurzen einleitenden Worten seitens Herbert Nichols-Schweiger, dem Geschäftsführer der Steirischen Gesellschaft für Kulturpolitik, einem langjährigen Arbeitspartner des Joanneum, startete der Hauptteil. Gerhard Dienes, zuständig u.a. für Auslandskulturprojekte am Joanneum, und der am Schauspielhaus Graz tätige Mime Gerhard Balluch trugen aus dem Briefwechsel zwischen Einstein und Freud vor, präsentierten aber auch Textpassagen von u.a. Bertha von Suttner, Wolfgang Borchert und Karl Kraus, um die Diskussion in einen größeren Kontext einzubetten. Dienes übernahm dabei die erzählerische Funktion, Balluch trug die Textstellen vor. Begleitet wurden die beiden von dem Musiker Peter Kunsek, der die Stimmung der vorgestellten Literatur musikalisch einfing.

Wer sich für den Briefwechsel zwischen Einstein und Freud interessiert – es gibt ein kleines Bändchen mit dem Titel „Warum Krieg? Mit einem Essay von Isaac Asimov“, erschienen bei Diogenes.

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