Il Barbiere in Graz

In einer Matinée-Vorstellung am Sonntag konnten die Besucher der vollen Helmut-List-Halle Rossinis „Barbier von Sevilla“ erleben. Michael Hofstetter leitete eine szenische Aufführung der beliebten Oper in deutscher Fassung, die 1819 speziell für Graz von Ignaz Kollmann geschrieben wurde.

Ensemble, entnommen aus dem Styriarte-Programmheft (c) Werner Kmetitsch

Ensemble, entnommen aus dem Styriarte-Programmheft (c) Werner Kmetitsch

Schon als die ersten Töne der Ouvertüre erklingen, haben die Musiker das Publikum für sich gewonnen. Diese mehr als bekannte Melodie dürfte ihre Berühmtheit wohl auch der Tatsache verdanken, dass Rossini sie nicht nur als Einstimmung für seinen Barbier, sondern auch seine Werke Aureliano und Elisabetta verwendet hatte. Trotz dieses „Recyclings“ ist es nicht desto minder beeindruckend, dass der große Gioachino seine wohl beliebteste Oper in nur drei Wochen komponiert hat. Da finden sich doch viele schwerere Geburten in der Welt der Kompositionen. In der verheißungsvollen Stadt Sevilla ist die Handlung um Liebe und Verwirrung angesiedelt, wobei der betitelte Barbier als Komiker und Vermittler der Geschichte agiert. Die Liebenden sind der Graf Almaviva und Rosina, die auch von ihrem Vormund Doktor Bartolo umworben wird. Natürlich verliebt sich die junge Frau aber in den verkleideten Schönling Almaviva, den sie nach ein paar emotionalen Krisen auch für sich gewinnt. Diese klassische und doch sehr unterhaltsame Opernhandlung wird gesprochen und gesungen in Deutsch vorgetragen. Auf Übertitel wurde verzichtet, was leider zu großen Einbüßungen im Textverständnis führte. Dies lag weniger an der Artikulation der Sänger sondern schlicht an der unglaublichen Geschwindigkeit, die die Musik teilweise vorgibt.
Als Protagonisten durfte man die Stimmen von Marie Friederike Schröder als Rosina und Daniel Johannsen als ihren Geliebten Almaviva vernehmen. An den ruhigen und lyrischen Stellen überzeugte Schröder mit sanften Tönen, zeitweise vermisste man aber ihre Leichtigkeit in der Höhe, in die sie sich nicht hochzuschrauben sondern eher hochzustemmen schien. Ihr Partner Johannsen verlor nie die samtige Wärme, die in den Tenorstimmen so selten zu finden ist. Einen besonderen Höhepunkt bescherte er mit „Sieh, schon die Morgenröte“ im ersten Akt. Begleitet von einfühlsamen Gitarrenklängen des Grazers Armin Egger erzeugte er mit fast gehauchten Liebesschwüren eine lautlose Spannung, nach der man eine Stecknadel hätte fallen lassen können.

Daniel Johannsen als Graf Alamviva (c) Werner Kemtitsch

Daniel Johannsen als Graf Alamviva (c) Werner Kemtitsch

Miljenko Turk glänzte mit starker Artikulation als
bunter Figaro, Stefan Sevenich verkörperte den Bartolo mit entsprechender Autorität. Auch die Nebenrollen waren mit Josef Wagner, Ludwig Mittelhammer und Bibiana Nwobili hochwertig besetzt.
Den Rahmen für das Geschehen lieferte der deutsche Regisseur und Bühnenbildner Peer Boysen. In fünf offenen Räumen ließ er die Handlung umherspringen und verdeutlichte durch die Kombination aus räumlicher Trennung und visueller Verbundenheit die kompliziert geknüpften Fäden zwischen den Figuren. Die Kostüme bildeten eine bunte, operntaugliche Einheit, die unglücklicherweise durch das unvorteilhaft moderne Auftreten von Rosina gestört wurde. Als musikalischer Leiter glänzte Michael Hofstetter, der die Sänger und sein neu gegründetes Styriarte Festspiel-Orchester immer dynamisch durch die dreieinhalb Stunden Aufführung dirigierte. Schade war es, dass bei den gesprochenen Dialogen im Hintergrund immer die entfernten Töne der Ouvertüre erklangen, sodass man das schöne Motiv am Ende nicht mehr hören konnte. Großartige Szenen wie etwa das Gewitter am Ende des letzten Aktes ließen aber wieder nur positive Empfindungen aufkommen.

Einen Blick auf und hinter die Bühne bietet die Styriarte mit ihren storytelling Videos. Hier ein Beispiel:

Weitere Informationen zur Oper und zu weiteren Veranstaltungen der Styriarte unter:
http://styriarte.com/events/der-barbier-von-sevilla-2/
http://styriarte.com

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