Sozialkritik statt Klamauk – Der Barbier von Sevilla

Im Rahmen der Styriarte wandte man sich dem altbekannten Werk „Der Barbier von Sevilla“ zu und ließ es in der Grazer Helmut List Halle in neuem Licht erstrahlen.
Der traditionell heiter gefärbten Oper Rossinis wurden in dieser Inszenierung wieder ihre ursprünglich intendierten sozialkritischen Töne entlockt. Der Fokus lag somit auf den intriganten Machenschaften der Figuren, die von süffisanten Lügen bis zur Korruption reichten.Verantwortlich für diese Schwerpunktsetzung waren sowohl Dirigent Michael Hofstetter als auch Regisseur Peer Boysen. Zur Aufführung kam zudem die deutsche Fassung aus dem Jahr 1819, die auf der Übersetzung Ignaz Kollmanns beruht.
Das Bühnenarrangement bestand aus fünf parallel sichtbaren Zimmern, mit anachronistischen Elementen. Möbelstücke aus nachfolgenden Epochen wurden mit jenen kombiniert, die der zeitlichen Einordnung des Stückes entsprachen. Wohl der Versuch eines Brückenschlags zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Besondere Begeisterung riefen die Darbietungen von Daniel Johannsen (Tenor) als Almaviva, der sowohl mit seiner Stimme als auch durch sein Schauspiel überzeugte, sowie von Stefan Sevenich (Bass) hervor, der in der Rolle des Bartolo ebenfalls eine solide Leistung ablieferte. Miljenko Turk (Bariton), der den Figaro verkörperte, bewies seine Fähigkeit zu nuancenreichem Spiel und stimmlicher Variation. Marie Friederike Schöder (Sopran) zeigte als Rosina sowohl ihr komödiantisches Talent als auch ihr Feingefühl bei ernsteren Passagen. Bibiana Nwobilo (Sopran), die die Rolle der Marcellina innehatte, verzauberte durch ihren Gesang, auch wenn ihre schauspielerische Leistung eher artifizielle Züge hatte. Josef Wagner (Bass), der den Basilio mimte, erschien eher zurückhaltend, aber exakt im Gesang. Ebenfalls zu hören waren Ludwig Mitterhammer (Bariton), in der Rolle des Fiorillo sowie der Chor der Kunstuniversität Graz.
Das Orchester hatte zum Teil auf alte Instrumente zurückgegriffen und vermochte dadurch einen ganz besonderen Klang zu erzeugen. Zwar litt an manchen Stellen die Präzision darunter, jedoch tat es der gelungenen Darbietung keinen Abbruch.
Auch wenn die Uraufführung der Oper 1816 in Rom eher desaströse Tendenzen aufwies, die aktuelle Inszenierung fand viel Anklang beim Publikum, das durchaus die sozialkritischen Töne zu schätzen wusste und stürmisch Beifall zollte.

Weitere Informationen unter: http://styriarte.com/events/der-barbier-von-sevilla-2/

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