Musicall Humors – ein Mann und eine Gambe

Um den elisabethanischen Komponisten Tobias Humes gestaltete Jordi Savall einen Abend im Grazer Stefaniensaal. Ein feiner, lehrreicher Einblick in die musikalische Vielfalt der barocken Bass-Gambe.

(c) Werner Kemtitsch

(c) Werner Kemtitsch

Wenn Jordi Savall mit seinem über 300 Jahre alten Instrument die Bühne betritt, ist ab dem ersten Moment klar: dies ist eine Person von Welt. Das Licht im ganzen Saal wird gedämpft, nur die Bühne wird mit einem Spot erleuchtet. Man fühlt sich eingeladen und auserwählt für die Exkursion in ein England vor unserer Zeit. Nicht mit Worten beginnt er, gleich die Tönen sollen dem Publikum die Musik eröffnen. Das namensgebende Werk des Abends ist für den Meister kein Neuland, hat er Humes Musicall Humors doch bereits auf CD eingespielt. Der scheinbar komische Titel, der sich nahtlos in die Reihe der scherzhaften Styriarte-Einfälle reiht, ist aber kein Indiz für eine Sammlung lustiger Stücke. Die Lieder des selbst ernannten englischen „Captain“ sind eine Sammlung von Charakterstücken, welche seine Experimentierfreudigkeit und Begabung der Viola da gamba widerspiegeln. Jordi Savall präsentiert diese Ideen mit viel Kreativität und so werden die Saiten nicht etwa nur gestrichen, sondern auch mit beiden (!) Händen gezupft und mit dem Bogen gekitzelt und geschlagen. Von tief brummenden bis zu leicht seufzenden Tönen erzählt er mit den verschiedenen Stücken die Geschichten von Tobias Humes, die von Witz aber auch von Leid geprägt sind, war dem mittellosen Musiker trotz seines Talentes doch ein Tod im Armenhaus beschieden. Auf die Humors folgen kurze Werke anderer Briten, in denen der Gambist andere Stimmungen seines Instrumentes präsentiert. Heiterer scheint die Atmosphäre im Saal nun und spätestens bei den Pipes&Pigges, bei denen die Harmonie den Klang eines Dudelsacks nachahmen soll, bekommt man Lust seinen Sitznachbarn zum Tanz aufzufordern. Mit The Lord Frog’s Set geht es beschwingt weiter mit Melodien aus Schottland und Irland. Mit gefinkelter Dynamik zaubert Savall die rauen, abenteuerlichen Landschaften vor das innere Auge der Zuhörer, die in der Musik eingefangen sind. Mit einem mächtigen crescendo geht das Programm zu Ende, als Zugabe folgen Variationen über ein Wiegenlied.
Jordi Savall will seine Musik niemanden aufdrängen, aber er eröffnet sie jedem, der gewillt ist zuzuhören. „Er ist ein Mann unserer Zeit“ schreibt The Guardian und dies lässt sich zweifelsohne unterschreiben. Ein Mann unserer Zeit, der uns Männer anderer Zeiten näher bringt.

Eine Hörprobe zum Konzert bietet folgendes Video:

Weitere Informationen zum Konzert unter:
http://styriarte.com/events/musicall-humors/

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