Dvořák & Schweijk.SOAP

Am 25. Juli fand in der Helmut-List-Halle die letzte SOAP der diesjährigen styriarte statt, wobei im Gegensatz zu den anderen SOAPs zwei gänzlich unterschiedliche Themen abwechselnd behandelt wurden: Zum einen wurde Musik von Antonín Dvořák gespielt, zum anderen wurde aus dem Schelmenroman Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk von Jaroslav Hašek gelesen. Denn wirklich viel haben die Musik und der Text nicht gemeinsam, abgesehen davon, dass die beiden Künstler aus Böhmen stammten und sich ihre Lebensdaten um rund 20 Jahre überschneiden.

Dvořák Trio (c) Christoph List

Dvořák Trio (c) Christoph List

Indem also abwechselnd musiziert und gelesen wurde, konnte man weder in die Tiefe von Dvořáks Musik hineinfinden, noch sich gänzlich auf die Lesung konzentrieren. Das Publikum schien jedoch recht rasch seinen favorisierten Part gefunden zu haben und widmete der musikalischen Darbietung spürbar wenig Aufmerksamkeit. Wie sollte es auch? Gerade in der ersten Hälfte des Abends, als sich die sechs Sätze von Dvořáks Klaviertrio in e (op. 90) mit den kurzen Einheiten der Lesung abwechselten, wurde man alle paar Minuten entweder aus dem Zuhören der Musik oder aus dem Folgen der Lesung gerissen. Das Klaviertrio ging infolgedessen beinahe gänzlich unter und verkam zu einer musikalischen Nebenunterhaltung zur äußerst vereinnahmenden Darbietung Heinz Mareceks, der Hašeks Satire amüsant vortrug, aber nicht wirklich gefühlvoll auf die musikalischen Darbietungen des Abends einzugehen schien.

Hätte man sich auf die Lesung konzentriert und nebenher passende U-Musik eingespielt, anstatt Dvořáks tiefgreifende Musik zu zerstückeln und hierdurch zu banalisieren, um im Gegenzug eine völlig unzusammenpassende Kombination zu erschaffen, wäre der Kunst wohl besser gedient gewesen. Denn wie soll man sich in schöne Musik vertiefen, wenn zwischendurch lautstark gelacht und gegackert wird? Abgesehen davon hat mir das Dvořák-Trio, bestehend aus Jan Fišer, Tomas Jamník und Ivo Kahánek gut gefallen. Auch die Sopranistin Simona Šaturová und die Mezzosopranistin Markéta Cukrová haben – im Rahmen der Mährischen Duette – ihre Fähigkeiten bravurös zur Schau gestellt.

Simona Šaturová und Markéta Cukrová (c) Christoph List

Simona Šaturová und Markéta Cukrová (c) Christoph List

Beendet wurde der Abend schließlich mit dem bekannten Poco Allegro in A der Slawischen Tänze für Violoncello und Klavier, um das scheinbar durchwegs zufriedene (und wohl auch leicht zufriedenzustellende) Publikum in den Regen zu entlassen. Ob man mit Hašeks berühmtem Roman etwas anfangen kann oder nicht, sei jedem selbst überlassen, Dvořáks Musik hätte sich aber auf jeden Fall ein musikbegeisterteres und ehrerbietigeres Ambiente verdient.

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