Coriolanus und Vater Rhein

Am 21. und 22. September fand das 1. Orchesterkonzert der diesjährigen Saison des Musikvereins Graz mit einer ausgewogenen und durchaus interessanten musikalischen Zusammenstellung bekannter Werke von Beethoven, Mozart und Schumann statt. Die Königliche Philharmonie Flandern unter der Leitung von Philippe Herreweghe wurde hierbei durch den kroatischen Pianisten Dejan Lazic ergänzt, dessen auffälliger Habitus in gutem Verhältnis zur musikalischen Befähigung stand und aus Mozarts Klavierkonzert ein merkwürdiges Erlebnis machte.

Philippe Herreweghe (c) Musikverein Graz

Philippe Herreweghe (c) Musikverein Graz

Zur Eröffnung des Abends wurde Beethovens bekannte Ouvertüre zum Trauerspiel Coriolan in c-Moll (op. 62) vorgetragen, das die erregbare und zugleich unsichere Wesenheit des namensgebenden Patriziers in den Vordergrund stellt und durch die – für Beethoven typische – Unruhe in der musikalischen Umsetzung dem Zuhörer den inneren Konflikt, der immerzu aus starken Gemütsverfassungen entstehen muss, temperamentvoll zu vermitteln versteht.

In krassem Gegensatz dazu schien Mozarts Klavierkonzert Nr. 12 in A-Dur (KV 414) zu stehen, das Coriolan folgte und den zweiten Teil der ersten Konzerthälfte darstellte. Insbesondere der erste (Allegro) und der dritte (Rondeau. Allegretto) Satz vermochten es, eine heitere Empfindungsumkehr von der zu Beginn gehörten Ouvertüre zu ermöglichen, indem „mozartesk“ selbst ein von Grund auf ernstes Thema als heitere, beschwingte Bejahung umgesetzt wird. Als Zugabe spielte Dejan Lazic die durchwegs herrliche Fantasie in d-Moll (KV 397), um den Zuhörer mit gemischten Gefühlen in die Pause zu entlassen. Von der Heiterkeit war durch das Mollfinale nicht viel übrig geblieben, und doch schien es ein Verbindungsglied der beiden Konzerthälften zu sein, da es bereits auf Schumann einzustellen schien.

Robert Schumann

Robert Schumann

Erfreulicherweise wurde Schumanns Symphonie Nr. 3 in Es-Dur (op. 97) eine komplette zweite Konzerthälfte gegönnt, da jegliche Vermischung mit anderweitigen Opera gefühlsmäßig nicht tragbar gewesen wäre. Der große Pathos, den die Rheinische zu bieten vermag, ist eine eigene Welt, die so ganz anders auf das Gemüt wirkt als z.B. Beethoven (von Mozart ganz zu schweigen). Mit herrlich überzogener Schwärmerei präsentiert Schumann sein „Rheinpanorama“ und lässt – vor allem im letzten Satz (Lebhaft) die Gefühle so simpel wie wirkungsvoll pulsieren, dass man am Ende, nachdem der letzte Ton gespielt ist, nach einem Vivat! sucht – um es im Dunstkreise der heutigen Zeit nicht mehr zu finden.

Alles in allem war jenes 1. Orchesterkonzert also ein würdiger Einstieg in die diesjährige Saison und machte Vorfreude auf jenes, was da noch kommt, auch deshalb, weil sich der Musikverein Graz erfreulicherweise immer noch nicht dazu bequemt hat, sämtliche Schönheit in Umgang und Darbietung den Ideen der „Neuen Seichtigkeit“ zu opfern, bloß um ein Laienpublikum für pekuniäre Zwecke zu gewinnen.

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