Franz Schreker – Der ferne Klang

Es ist ein gewagtes Unternehmen, die Saison eines hinkenden Kulturbetriebs mit einer großen Unbekannte zu eröffnen. Tatsächlich ist sehr viel Zeit vergangen, seitdem Franz Schrekers Oper Der ferne Klang am 22. Mai 1924 in der Grazer Oper seine österreichische Erstaufführung erlebt hat. Was war in der Zwischenzeit passiert? Franz Schreker, der in den 1920er-Jahren neben Richard Strauss zu den gefeiertesten Opernkomponisten im deutschen Sprachraum zählte, geriet aufgrund seiner jüdischen Wurzeln nach 1933 in Vergessenheit. Erst Jahre und Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs sollten seine Werke allmählich wiederentdeckt werden: Eine Renaissance, die im 21. Jahrhundert besonders an Wirkung entfalten konnte.

Schreker_1912
Die aktuelle Inszenierung der Oper Graz zeigt, dass dem Komponisten großes Unrecht angetan worden ist: Denn das, was Schrekers Opernwerk des Fin de Siècle an musikalischem Tiefgang und sprachlicher Finesse zu bieten hat, findet sich in vergleichbarer Kunstfertigkeit bei kaum einer anderen Oper des anbrechenden 20. Jahrhunderts. Es ist die Geschichte eines Komponisten, der sich auf die Suche nach musikalischer Vollkommenheit – dem fernen Klang – begibt, und diesem Traum von künstlerischer Verwirklichung sogar seine große Liebe unterordnet. In durchkomponierter Form bietet Schreker im Zuge einer Spielzeit von knapp drei Stunden ein spannungsreiches Spektrum der großen menschlichen Sehnsüchte: Dirk Kaftan überzeugt am Dirigentenpult, die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne. Ein dezentes, manchmal gar minimalistisches Bühnenbild lässt die tiefenpsychologische Ebene der Oper deutlich werden.
Nora Schmids Auftakt ist geglückt: Ein ausgezeichnetes Entrée in die neue Spielzeit!

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