Visuelles Slam-Erlebnis: Deaf-Slam-Premiere in Graz

Am 03. Oktober fand im wunderschönen Ambiente des großen Minoritensaales erstmals ein Deaf-Slam in der Steiermark statt. Das Besondere an dieser Art des Slams liegt in der bilingualen Darstellung der Beiträge – anstelle in – wie sonst üblich – einer Sprache werden alle Texte sowohl in Gebärden- als auch in Lautsprache auf der Bühne performt.

Bei einem Deaf-Slam treten sowohl Lautsprache-Slammer*innen als auch Gebärden-Poet*innen an – damit das nicht-immer-zweisprachige Publikum trotzdem alle Beiträge versteht, wird zugleich simultan auf der Bühne gedolmetscht, was eine große Herausforderung für den jeweiligen Übersetzenden darstellt. In Graz meisterte dies Delil Yilmaz mit Bravour, der aufgrund des Ausfalles des zweiten Übersetzenden für alle Texte zuständig war – und sicher als inoffizieller Held des Abends bezeichnet werden kann.

Das vorgegebene Thema des Slams war ein in unserer heutigen Zeit immerwährend aktuelles: End Ecocide! Die Texte der Slammer*innen würden sich also um Umweltverbrechen drehen – zumindest war das so vorgesehen. Aufgrund des Ausfalles musste aber improvisiert werden, und so wurden in der ersten Runde schon teilweise die Texte für die Finalrunde vorgezogen. Das Thema ging deswegen etwas unter – was zwar schade war, durch die Performance der Slammer*innen aber wettgemacht wurde.

Die neun Slammer*innen, die sich in Graz der Bewertung der Jury und des Publikums im gut gefüllten Minoritensaal stellten, waren vier Lautsprache-Slammer*innen aus der lokalen Grazer Slam-Szene (Mario Tomic, Anna Lena Obermoser, Christine Teichmann & Yannick Steinkeller) und fünf Gebärden-Slammer*innen (Gian Reto Yanki, Guiseppe Giuranna, Dawei Ni und das Team aus Wien: Christoph und Anja), die national sowie international nach Graz angereist waren. Die Performance der Gebärden-Poet*innen, allen voran die von Dawei Ni und Giuseppe Giuranna, war so eindrucksvoll, dass ich zeitweise völlig in ihre Bewegungen versank, ohne auf die Lautsprache-Übersetzung zu achten.

Der beste Satz im Slam – eine von mir selbst in Anlehnung an Klaus Kastberger ins Leben gerufene undotierte Preiskategorie für den Satz, der mir am meisten im Gedächtnis blieb – kam diesmal von Mario Tomic in seinem Beitrag Ösi mit Migrationshintergrund: „Wenn dich deine Mitmenschen nicht mögen, dann ist das vielleicht nicht das Ende der Welt, sondern Österreich.“

Verdient ins Finale schafften es Dawei Ni, Anna Lena Obermoser und Giuseppe Giuranna. Letztgenannter trug – gemessen am Applaus des Publikums – den Sieg davon. Anstelle eines resümierenden Schlussatzes lasse ich zwei Finalisten des Abends – Dawei Ni und Giuseppe Giuranna – zu Wort kommen:

Dawei Ni:
Giuseppe Giuranna:
Im Kulturzentrum der Minoriten wird auch weiterhin geslamt – zwei Termine für den legendären Kultum-Slam gibt es noch im Jahr 2015 – also den 16. Oktober sowie den 4. Dezember im Kalender vormerken.
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