„Irgendwann werden wir alle ZERSPLITTERN…“

Seit Ende September 2015 wird im Schauspielhaus Graz das mit dem Grand Prix de Littérature Dramatique ausgezeichnete Theaterstück „Zersplittert“ von Alexandra Badea aufgeführt. Ein Stück, welches deprimiert, schockiert, belustigt. Hauptsächlich regt es jedoch zum Nachdenken über bestehende gesellschaftliche Formen und Werte an.

In den Räumlichkeiten des Hauses 2 stattfindend, erwartete das Publikum eine Kulisse, welche zuerst womöglich auf allgemeine Verwunderung stieß: Ein rostiges Klettergerüst, mit zahlreichen Sprossen versehen, prangte inmitten der Bühne. Doch dieses wurde dann ab der ersten Szene genutzt, in welcher das Quartett der Akteure am Gerüst hängend die Vorstellung startete.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Die Handlung des eineinhalb Stunden langen Stückes dreht sich grundsätzlich um das Thema Arbeit. Jedoch behandelt es nicht das Arbeiten im gebräuchlichen Sinne, sondern zieht einen fast krankhaften oder gar grausamen Aspekt des Arbeitens mit sich. Man blickt in das Leben vier verschiedener Meschen (dargestellt von Tamara Semzov, Philine Bührer, Nico Link, Pascal Goffin), die zwar alle für das gleiche Unternehmen schuften, allerdings in unterschiedlichen Positionen angestellt sind. Diese setzten sich zusammen aus einer zugrunde gehenden Fließbandarbeiterin, einem agressiven Leiter im Callcenter, einer Businessfrau, die nach Perfektion strebt und einem zwiegespaltenen Manager.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Obwohl es scheint, als könne man keinen unterschiedlicheren Zusammenschluss Erwachsener finden, teilen sie alle die gleichen Ängste: Angst, dem Druck nicht standzuhalten; den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Das Arbeiten wird zum Hauptbestandteil des Lebens, sodass das Leben den Namen „Leben“ und seine gesamten Charakterzüge eigentlich nicht mehr verdient. Der Schmerz, den sie fühlen, wird veranschaulicht gemacht durch langes Hängen an dem Gerüst. Man könne dies gleichsetzen mit dem inneren Zwang, immer weitermachen zu müssen.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Auch wenn es anfänglich schwer ist, sich in das Stück und die Figuren hineinzuversetzen, gelingt dies mit zunehmender Zeit immer besser und man beginnt, sich teilweise selbst Fragen über das Leben und deren Prioritäten zu stellen: Welchen Stellenwert nimmt der Beruf im Leben ein? Ist es notwendig, so sehr nach Selbstverwirklichung und Perfektionismus zu lechzen?

Ansonsten begeistert die ausgesprochen gut umgesetzte und außergewöhnliche Kombination aus Schauspiel und Akrobatik, die so noch nicht gesehen wurde. Für Interessierte stehen bis Mitte November noch zahlreiche Termine zur Verfügung, an denen „Zersplittert“ aufgeführt wird.

Der Trailer zu „Zersplittert“:

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