Zwischen Kunst und Konsum: CORPORATE. Xu Zhen

Eine riesige grelle Leuchtreklametafel, auf der ‚ShanghART SUPERMARKET‘ in weißen Buchstaben prangt – das ist das erste, was man von der Ausstellung Corporate. Xu Zhen (Produced by MadeIn Company) zu sehen bekommt, wenn man die lange Rolltreppe zum Space01 des Kunsthauses hinauf fährt. Dadurch wird man nicht in das Setting einer Ausstellung, sondern in das eines chinesischen Supermarktes versetzt. Und das wiederum ist genau die richtige Einstimmung für die Ausstellung, die sich zwischen Kunst, Kunstvermarktung und Konsumkritik bewegt.

Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/ J.J. Kucek

Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/ J.J. Kucek

 

Der Künstler Xu Zhen (*1977 in Shanghai) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen chinesischen Kunst – seine Werke gelten als Neu-Interpretation der Pop Art und vor allem der Name Andy Warhol fällt des Öfteren als Vergleichsparameter für die hohe Bedeutung des Künstlers. In der von Katrin Bucher Trantow und Peter Pakesch kurartierten Ausstellung, die in Kooperation mit dem steirischen herbst gestaltet wurde, sind Xu Zhens Werke bereits zum dritten Mal in Graz zu sehen. Während diese in den Jahren 2007 und 2008 jedoch in Rahmen von Gruppenausstellungen zu sehen waren, sind seine Werke nun erstmals in einer Einzelschau ausgestellt – und so ist der Space01 passend zum Thema Konsum, das sich durch die Arbeiten des Künstlers zieht, auch in einen überdimensionalen Verkaufsraum verwandelt, in der die Serialität von Kunst, Kunst als Produkt und die Hybridität von Kulturen im Mittelpunkt stehen.

Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/ J.J. Kucek

Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/ J.J. Kucek

 

Durch die vollen Regale des Supermarktes kann man als Besucher*in schlendern – sie sind von oben bis unten vollgeräumt mit leeren Produkten, besser gesagt: leeren Verpackungen ohne Inhalt, die aber dennoch zum gleichen Preis wie die ‚realen‘ Produkte in der Ausstellung erworben werden können. Xu Zhen weist daraufhin, dass Menschen mit der glänzenden Oberfläche zufrieden sind, selbst wenn diese keinen Inhalt, keine Bedeutung mehr hat. Der Supermarkt mit den leeren Verpackungen liefert dafür scheinbar den empirischen Beweis, wenn Besucher*innen die Verpackungen kaufen.

Noch intensiver mit Vermarktung von Kunst setzen sich die seriell angefertigten Werke von Xu Zhen auseinander – egal ob es sich dabei um riesige chinesische Porzellanvasen oder Skulpturen, die stereotype westliche und chinesische Kulturelemente miteinander verschmelzen, handelt. Dafür gründete er eigens die ‚MadeIn Company‘ – ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter*innen Xu Zhens Kunstwerke anfertigen. Der Unterschied zwischen künstlichem Produkt und Kunst wird fließend und lässt die Vermarktungspolitik des Kunstmarktes in der Ausstellung explizit hervortreten. Dadurch eröffnet sich für die Besucher*innen die Möglichkeit, über diese zu reflektieren.

Auch sehenswert ist die provokante Videoarbeit ‚Rainbow‘, die zu den früheren Arbeiten von Xu Zhen zählt und mit der er auf der Biennale 2001 seinen Durchbruch als internationaler Künstler feiert. Auf Videoleinwänden ist nur ein nackter Rücken abgebildet, auf den wiederholt Schläge treffen, die jedoch nicht zu sehen, sondern nur zu hören sind – das einzige, was die Besucher*innen sehen, ist, wie sich die Farbe des Rückens zusehends verändert. Durch die nur imaginierte Brutalität verstärkt sich die Grausamkeit. Einziges Manko ist, dass die Videoarbeit konzeptionell nicht zu der an Konsumkritik ausgerichteten Ausstellung passt.

Ausstellungsansicht, Foto: Universalmuseum Joanneum/ J.J. Kucek

Foto: Universalmuseum Joanneum/ J.J. Kucek

Weitere Informationen zu der sehenswerten Ausstellung sind im Informationsvideo des Kunsthauses, in dem Alexia Dehaene (Vertreterin der MadeIn Company) und die Kuratorin Katrin Bucher Trantow zu Wort kommen, zu finden:

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Jänner im Space01 zu sehen.

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