Panem et circenses: Der Barbier von Sevilla

Die Neuinszenierung einer der fürder meistaufgeführten Opern von Gioachino Rossini feierte am 22. Oktober in der Oper Graz Premiere: Der Barbier von Sevilla. Da die weltbekannte Oper eine Auftragsarbeit unter speziellen Umständen war, blieben Rossini nur 26 Tage, um sie zu verfassen, weshalb er mehrere Nummern bereits bestehender Werke in die Oper einfließen ließ. Als Notat am Rande, das vielen nicht bekannt sein dürfte: Die deutschsprachige Uraufführung fand am 27. Mai 1819 in Graz statt.

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Dem Trend der letzten Jahrzehnte entsprechend wurde die Inszenierung in Originalsprache aufgeführt, was zwar die Originalität unterstützte, aber merklich zu kleinen Fehlern bei Gesang und vor allem bei den Rezitativen führte. Zudem verführte alleine schon das modern gestaltete und etwas willkürlich gewählte Bühnenbild zu einer selbst für Opere buffe ungewohnt albernen Stimmung, die endlich gar keinen Platz für die inmitten großen Klamauks stattfindende Liebesgeschichte bot. Es hätte mich gefreut, wenn wenigstens am Ende ein schüchternes Gefühl der Freude ermöglicht worden wäre, dass die Liebenden sich für immer in die Arme schließen können. Wie wäre es aber möglich, die zarten Annäherungen Almavivas und Rosinas gefühlvoll nachempfinden zu können, wenn schon recht früh sexuelle Kontakte der Protagonisten (schauspielerisch durchaus belustigend) mehr als nur angedeutet werden?

(c) Werner Kmetitsch

(c) Werner Kmetitsch

Die Handlung wurde also verhältnismäßig befähigt aus dem Zentrum der Aufführung verdrängt, um einzelne Akteure hin und wieder sogar auf die Metaebene steigen zu lassen, um scheinbar als antiquiert empfundene Darstellungsformen ins Lächerliche zu ziehen. Unterhalten will der Mensch sein, und was schwer ist, soll einfacher gemacht werden! Da stört es auch nicht, dass man zugunsten der Schaulustigkeit die Herrlichkeit der Musik opfert (wie z.B. schon am Ende der Ouvertüre), da wohl davon ausgegangen wird, dass heute ohnehin niemand mehr in die Oper geht, um durch Kunst Gemüt und Geist tiefgreifend zu berühren.

Trotz allem will ich – als Advocatus Diaboli – konkludieren, dass die ca. 2 ½ Stunden sehr kurzweilig und amüsant verlaufen sind, das Ziel, das Publikum zu unterhalten, erreicht wurde und anwesenden Schulklassen die große Müdigkeit erspart werden konnte. Und dass man wieder einmal vermittelt, dass man die große Masse des Volkes tausendfach einfacher durch Tollerei als durch ein Dramma per musica erreichen und unterhalten kann, scheint mir einer gewissen Ironie nicht zu entbehren.

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