Michael Köhlmeier erzählt – Von Liebschaften und Meisterdieben

Michael Köhlmeier erzählt. An einem Sonntagabend. Im Schauspielhaus Graz. Er erzählt nicht wie so oft von großen Helden oder alten Sagen. Diesmal erzählt er die Geschichten eines kleinen Volkes, das überall, wo es sich niederlässt, zu den Minderheiten zählt. Es ist ein sehr traditionsreiches Volk. Veränderung und Innovation scheut es, dennoch entschließt es sich, sich nicht fix niederzulassen, sondern zu fahren, weshalb es auch das fahrende Volk genannt wird. Die Rede ist natürlich vom Volk der Roma und Romnija.

Die überlieferten Märchen und Sagen der Roma unterscheiden sich in mehrerer Hinsicht von deutschen Volksmärchen, wie wir sie von den Gebrüdern Grimm kennen. Roma-Märchen sind nicht durch einen strikten Handlungsaufbau mit Beginn, Höhepunkt und Schluss gekennzeichnet. Oft setzen sie mitten in der Geschichte ein, ab und zu fehlt der Schluss oder es gibt verschiedene Versionen, was vermutlich an den unterschiedlichen Erzählern liegt, die die Geschichten über die Jahrhunderte hinweg an die nächsten Generationen weitergaben. Köhlmeier betont hier auch die Ursprünglichkeit der Roma-Märchen, die den Grimm-Märchen fehle.

Neben Kommentaren zum Charakter der Roma-Märchen, erzählt Köhlmeier einige kurze Geschichten. Sie handeln von Liebespaaren, die seit ihrer Geburt einander versprochen sind, dann aber doch nicht heiraten, weil sie nicht die wahre Liebe für einander verspüren. Dennoch verheiraten sie ihre beiden Kinder, denn Tradition ist nun mal Tradition. Und Köhlmeier erzählt von Typen, die durch ihre diebischen Fähigkeiten zu Bürgermeistern werden und sogar den Teufel überlisten können.

Alles in allem machte Köhlmeiers charmante und lockere Art und Weise den Abend zu einem kurzweiligen und unterhaltsamen Vergnügen.

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