Idomeneus-Ein Mann und viele Geschichten

Idomeneus, der König von Kreta, gerät mit seinen Männern auf der Heimreise in einen schrecklichen Sturm. Um sein Leben und das seiner Männer zu retten, verspricht Idomeneus jenes Lebewesen zu opfern, welches ihm als erstes bei der Ankunft am Strand begegnet. In jenen Momenten, in denen Mann dem Tod in die Augen blickt, bedenkt wohl keiner die weitreichenden Konsequenzen seines Handelns. Somit nimmt die Tragödie ihren Lauf als das erste Lebewesen, welches Idomeneus erblickte, sein eigener Sohn war. Nun beginnt die Geschichte, doch wie mag sie wohl enden?

Dramatik bedeutet Konflikt und dieser ist nicht nur im Drama gegenwärtig, sondern bei diesem besonderen Stück auch bei der Erzählung des Dramas selbst. Der Konflikt entsteht dadurch, dass die Rollen nicht mehr klar verteilt sind. Der Erzähler wird zum Schauspieler, der Schauspieler wird zum Erzähler, der Mann zur Frau, die Frau zum Mann,. . .

Somit gibt es nicht nur mehr einen Erzähler, eine Phantasie oder eine Erfindung sondern mehrere. Durch das Zusammenspiel unterschiedlicher, konkurrierender Ideen werden verschiedene Varianten der Geschichte gegenübergestellt.

Zum Performen dieses Schauspiels befindet sich lediglich ein großer Opferaltar auf der Bühne. Dieser wird von den Schauspielern als zusätzlicher Schauspielplatz genutzt, und vergegenwärtigt dem Zuschauer den eigentlichen Kern des ursprünglichen Dramas: das Opfern des eigenen Sohnes. Tiefgründige Botschaften wie, „Gewalt und Totschlag sind nicht mit Vernunft zu erklären“, aber auch primitives Sexgebärden ohne tiefsinnigen Hintergrund, entspringen den Phantasien der Erzähler. Schimmelpfenning, der Autor, sagt: „ Theaterstücke spiegeln ihre Zeit“. Dieses Stück spiegelt vielleicht die langsame Auflösung der klaren Rollenverteilung wider aber auch den Wunsch, dass jeder gerne seine eigene Geschichte erzählen möchte.

Die Erzählung des Dramas ist lebendig, impulsiv und ausdrucksstark. Sie wird mit dem Schauspiel wunderbar unterstrichen und punktiert. Ich hatte das Gefühl, dass manche der Schauspieler sich in ihrer Rolle verwirklichen konnten. Am Ende bleibt nun offen was wahr oder unwahr, richtig oder falsch ist und somit kann der Zuschauer seine eigene individuelle Geschichte mit nach Hause nehmen. Ich habe dies getan und meine Geschichte ist noch nicht zu Ende.

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