„Mir ist krank, ich bin schlecht.“

Der reiche Volpone (Fuchs) täuscht mithilfe seiner Helferin Mosca (Schmeißfliege) vor, sterbenskrank zu sein. Die „Erbschleicher“ Corbaccio (Krähe), Voltore (Geier) und Corvino (Rabe) wittern das große Geld und lassen sich auf waghalsige Geschäfte ein um dieses an sich zu reißen. Am Ende verliert jede Person etwas, was ihr lieb und teuer (sic!) ist und eine triumphiert im Chaos – mehr oder weniger überraschend.

Voltore (Franz-Xaver Zach), Corbaccio (Franz Solar) und Corvino (Pascal Goffin)

 

Stefan Zweig’s Stück „Volpone oder Der Fuchs“ basiert auf einer Komödie von Ben Jonson (ein Zeitgenosse Shakespeare’s) und beschäftigt sich mit dem „lieben Geld“. Die italienischen Protagonistennamen sind mit ihren tierischen Charakterzügen gleichzusetzen – listig, schmarotzend, gierig – jenen „schlechten“ Eigenschaften, die Geld und dessen Besitz begleiten. Jede/r ist diesen Eigenschaften ausgeliefert und Mosca verführt sie alle, mischt überall mit, saugt sie aus… sie ist wahrlich eine Schmarotzerin. Die Naivität gepaart mit der Gier aller Beteiligten spielt Mosca in die Hände. Doch für wen tut sie dies – für Volpone (der auch ihr Geliebter ist) oder gar für sich selbst?

Andri Schenardi und Julia Gräfner

 

„Ehre. Das ist ein Luxusartikel für reiche Leute.“  Die Menschlichkeit geht im Kampf um Macht und Geld verloren – das Stück zeigt dies mehr als nur einmal nachdrücklich. Alles in allem macht es sich die Geschichte in diesem Schwarz-Weiß – Denken aber zu leicht; diese Eindimensionalität mit ihrer Conclusio funktioniert so nicht (mehr). Die SchauspielerInnen schaffen es dennoch das Stück authentisch auf die Bühne zu bringen. Respekt! Allen voran überzeugen Julia Gräfner als Mosca und Andri Schenardi als Volpone; die Darstellungen aller zeichnen sich durch viel Körperlichkeit aus und unterstreichen ihre Charaktere. Regisseurin Claudia Bauer inszeniert am Schauspielhaus Graz trocken, dunkel komödiantisch und in schaurig-schönen Kostümen. Mithilfe von „Selfie-artigen“ Videos und comichaften Tönen wird mit der Ernsthaftigkeit des Themas gespielt und die Einfalt der Beteiligten gezeigt. Und Volpone als Gekreuzigter lässt die Frage offen: Wählt er sich jesusgleich zum Opfer des Systems oder stellt er das System dar, das krankt und schlecht ist?

Aus der dürftigen Vorlage wurde wohl das beste herausgeholt – absolut sehenswert! 

 

 

 

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