Volpone oder Der Fuchs

Der wohlhabende Venezianer Volpone (Andri Schenardi) liegt im Sterben – scheinbar. Wie der Gekreuzigte höchstpersönlich „liegt“ (oder vielmehr: hängt) er in seinem Bett und mimt den Leidenden, der wohl bald das Zeitliche segnen wird. Betrauert wird er von seiner Bedienerin Mosca (Julia Gräfner) und seinen vorgeblichen Freunden, dem Notar Voltore (Franz Xaver Zach), dem Wucherer Corbaccio (Franz Solar) sowie dem Kaufmann Corvino (Pascal Goffin). In Wahrheit stecken aber Volpone und Mosca unter einer Decke und ergötzen sich an den Bemühungen der Erbschleicher. Jedoch kennt nicht nur deren Gier kein Ende – sogar die wunderschöne Colomba (Tamara Semzov) und der tapfere Leone (Benedikt Greiner) fallen dem reinen Opportunismus aller Protagonisten zum Opfer –, keine Figur ist davon ausgenommen. Wer am Ende aber wen austrickst und tatsächlich vermögend aus der Geschichte hervorgeht, überrascht sogar den listigen Volpone, der nicht nur namentlich an den Fuchs angelehnt ist, sondern auch als Figur in ihrer Gesamtkonzeption.

Volpone (Andri Schenardi) und Leone (Benedikt Greiner) (c) Lupi Spuma

Volpone (Andri Schenardi) und Leone (Benedikt Greiner) (c) Lupi Spuma

Die schauspielerischen Leistungen von Andri Schenardi sind überwältigend, er windet seinen Körper wie eine Echse, die durch Felsspalten kriecht, und spielt mit solcher Überzeugung diesen hinterlistigen Fuchs, dass es schon beinahe widerlich ist. Ebenso genial auch Julia Gräfner als Mosca, die Mücke oder Schmeißfliege, die als Schmarotzerin im Hause Volpones lebt und am Ende als eigentliche Siegerin hervorgeht. Ebenso klingend sind die Namen der übrigen Figuren: Voltore (Geier), Corbaccio (Krähe), Corvino (Rabe), Colomba (Taube) und Leone Capitano (Löwe). Schon beim ersten Auftreten wird bei jeder/m einzelner/n Schauspieler/in klar, welchem Tier deren Rolle entsprechen soll. Alle scheinen sie sich ihren animalischen Trieben hinzugeben und dabei ganz zu vergessen, dass sie doch auch noch Menschen sind.

Corvino (Pascal Goffin), Mosca (Julia Gräfner), Volpone (Andri Schenardi) (c) Lupi Spuma

Corvino (Pascal Goffin), Mosca (Julia Gräfner), Volpone (Andri Schenardi) (c) Lupi Spuma

Die Handlung an sich ist allerdings eher simpel gestrickt und relativ berechenbar – es gibt keine großen Überraschungen, man ahnt recht schnell, worauf das Ganze hinauslaufen soll, worunter die Spannung etwas leidet. Ebenso überdenken können hätte man die Mauer am vorderen Rand der Bühne, da sie dem Publikum der linken Hälfte im Parterre zeitweise die Sicht auf das Geschehen nimmt.

Aufgrund der grenzgenialen, schauspielerischen Leistungen sowie der Inszenierung generell, die beispielsweise immer wieder durch dezent gruselige Videosequenzen, die teilweise direkt auf oder unter der Bühne gedreht werden, aufgelockert wird, ist Volpone oder Der Fuchs (Regie: Claudia Bauer) absolut einen Besuch wert!

Der Trailer zum Stück:

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