Und ewig grüßt das SCHICKSAL…

Eine klassische griechische Tragödie:
Idomeneus, König der Kreter, kehrt nach 10 Jahren Abwesenheit aus dem Trojanischen Krieg zurück. Kurz vor Kreta wird er von einem Sturm überrascht, doch die Götter sind bereit sein Schiff zu retten. Aber keineswegs unentgeltlich, denn Idomeneus muss für die „gütige“ Tat das Leben der ersten Person opfern, der er an Land begegnet. Das „Eine Hand wäscht die andere“-Prinzip würde aufgehen, doch dann trifft Idomeneus jemanden, den er schwer töten kann geschweige denn will – seinen eigenen Sohn Idamantes.

IDOMENEUS Ensemble (c) Lupi Spuma

Roland Schimmelpfenning’s Stück spielt mit der Auslotung unterschiedlicher Blickwinkel und den Erzählweisen in der griechischen Erzählkunst. Im Haus Zwei am Schauspielhaus Graz erzählt Jérôme Junod kurz-knackig, auf und rund um eine ovale, leuchtende Insel Idomeneus‘ Geschichte. Die zwölf JungschauspielerInnen, 6 Frauen und 6 Männer der Kunstuni Graz, sind gut eingespielt – jede/r kommt zu Highlights und die vielen Personen auf der Bühne ermöglichen Perspektivenwechsel der Figuren. Wörter und Phrasen werden im Chor manifestiert und Fragen erhalten mitunter sehr widersprüchliche Antworten. Wortgewaltig werden Bilder transportiert und die Konflikte der ProtagonistInnen zerlegt. Das Stück spielt mit Wahrheiten und die wiederkehrende Aussage „So ist es nicht gewesen.“ macht deutlich, wie vielfältig die griechische Epik ist.

IDOMENEUS Clemens Maria Riegler, Steffi Baur, Carmen Steinert, Michael Hans Zehentner (c)

Das Schicksal ist der Motor der Tragödie und die Götter und Göttinnen die DrahtzieherInnen im Leben der Figuren. Einer (Nauplius) nimmt Rache an dem Gefährten Odysseus‘ und verführt Idomeneus‘ Frau Meda…oder eben nicht. Sie (Meda) ist hin- und hergerissen zwischen Anstand und Verführung. Der Sohn Idamantes verherrlicht seinen Vater und wird wohl gerade deswegen zum Spielball des Schicksals. Und Idomeneus selbst erkennt, dass nichts im Leben ohne Preis ist, schon gar nicht der Wunsch glücklich zu sein. Am Ende holt ihn (und auch die anderen Beteiligten) alles ein – vielgelobte Siege, eingegangene Verpflichtungen, mutiges Handeln, Furcht, der Ärger der Gottheiten. So verlassen nach und nach die SchauspielerInnen die Bühne und Idomeneus kommt im Schlussdialog mit seiner Frau zur Erkenntnis „…ich hänge am Leben.“ Sein Leben ist/war alles andere als selbstbestimmt – eine Feststellung, die lähmt und in Dunkelheit endet.

 

 

 

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