3. Kammerkonzert der Oper Graz – Spiegel und Wahrnehmung

Im Spiegelfoyer der Grazer Oper fand am 16. November das 3. Konzert der laufenden Kammermusikreihe statt,  dessen Programm eine kapriziöse Mischung zunächst willkürlich zusammengestellt scheinender Streichtrios darstellte, die bei genauerer Betrachtung jedoch das relativ junge Alter der Komponisten als Gemeinsamkeit aufwies, auch wenn die Lebensdaten nur bei zweien in dieselbe Epoche fallen. Als tragisches Element sollte auch die Tatsache wirken, dass Beethoven und Pleyel zum Zeitpunkt der Komposition jeweils am Beginn einer großen künstlerischen Laufbahn standen, während der Jude Gideon Klein bereits wenige Wochen nach Vollendung seines Streichtrios, das er 1944 in Theresienstadt verfasst hatte, nach zwei weiteren Deportationen im Lager Fürstengrube starb.

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Vogl String Trio (c) Nansy Horowitz, Nadezhda Schopova

Die Künstler des Abends – Iva Hölzl-Nikolova an der Violine, Elissaveta Staneva-Vogl an der Viola und Bernhard Vogl am Violoncello – brachten als Vogl-String-Trio die Werke großenteils elegant (und angemessen gekleidet) dar, wobei nicht nur die musikalische Darbietung, sondern auch das schöne und für Kammermusik hervorragend geeignete Ambiente des Spiegelfoyers zur Gesamtergötzung beitrug.

Das Konzert begann mit dem heiteren Streichtrio in F-Dur (op. 11 Nr. 3) von Ignaz Pleyel, der ein von Zeitgenossen gefeierter Komponist und angesehener Klavierbauer war. Das Stück, das offenbar vorrangig der Unterhaltung dienen sollte, eignete sich – quasi als Ouvertüre – vortrefflich für den Einstieg in den Abend und konnte dem daraufhin Folgenden, Gideon Kleins Streichtrio, kaum gegensätzlicher gegenüberstehen. Von großem Schmerz und beinahe hektischer Trostlosigkeit, die keine Freude und erbauende Ästhetik mehr zuzulassen scheint, strotzt jenes Trio, das man durchaus Untergang des Abendlandes titulieren könnte. Trotz jener großen Empfindungen, die das Stück ausmachen, mochte es mich in keinerlei Weise berühren oder mitreißen. Kurz und schmerzlos ging es vorüber und konnte mir trotz der tragischen Entstehungsgeschichte keine wahrliche Regung abgewinnen.

Nach einer kurzen Pause, in der kaum etwas von der zu Beginn herrschenden Heiterkeit übrig geblieben war, begann Beethovens recht unbekanntes Streichtrio in Es-Dur (op. 3), das die zweite Konzerthälfte bildete und wieder in das späte 18. Jahrhundert zurückführte. Das sechs Sätze umfassende und ungefähr 40 Minuten dauernde Trio bildete sozusagen nicht nur den Höhepunkt des Konzerts, sondern auch einen hörbaren Abschluss.

Dass etwa die Hälfte der Konzertplätze leer geblieben war, tat der (mäßigen) Freude keinen Abbruch, ist aber bei solch unbekanntem Programm keine wirkliche Überraschung. Man darf hoffen, dass die kommenden Kammermusikabende in der Oper von größerem Zuspruch begleitet werden.

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