Ziel und Punkt.

Anton Tschechows Stück „Drei Schwestern“ wird vom t’eig Theater ins Heute verlegt. Zunehmende Kapitalisierung und sozialer Zerfall korrespondieren in ihrer Aktualität mit unserer heutigen ‚individualisierten’ Gesellschaft. Die Möglichkeiten und Voraussetzungen für ein gutes Leben allein, reichen nicht aus, um tatsächlich auch ein solches zu führen. „3schWESTERN“ beweist: Fehlt die notwendige Handlungsfähigkeit, ist Gegenwartsverneinung oft die Folge.

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(c) Heldentheater

„Zielpunkt“ meint im Stück nicht nur die ehemalige Filiale der Lebensmittelkette als Ort der Inszenierung. Auch nicht allein das wiederkehrende Mantra „nach Moskau“, sondern den Fluchtpunkt der Figuren. Im Jetzt unzufrieden und mangels Tatkraft für Veränderung hängen sie sie in einem apathischen Zustand fest: „Leben ist Leiden und bald wissen wir wofür“.

Die Dialoge führen oft ins Nichts oder werden durch derbe Witze und Zitate, teils passend, teils schmerzhaft, überformt. Das Tschechow’sche Aneinander-vorbei-Reden setzen die Schauspieler um, indem sie nur in Blickrichtung des Publikums und räumlich versetzt zueinander sprechen. Das wirkt zunächst irritierend, vor allem, weil diesmal nicht so klar wie sonst ersichtlich war, wann und wie die Schauspieler ihre Rollen tauschen.

Im Vergleich zu früheren Inszenierungen ist das Stück ebenso gut post-dramatisch durchkomponiert und detailreich ausstaffiert, wirkt aber noch dekonstruierender, zusammenhangloser. Und wird damit umso originalgetreuer.

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