Die Sache mit Emil

Warum sollte man sich mit Ende 20 ein Musical einer Kindergeschichte aus den 1920er-Jahren anschauen? Ohne ein kleines Geschwisterkind zu begleiten? An der Bewerbung „Familienmusical“ liegt es sicherlich nicht. Angeborene Skepsis.

Emi & Herr Grundeis (c) Lupi Spuma

Emi & Herr Grundeis (c) Lupi Spuma

Sicherlich kommt hier die Tatsache zum Tragen, dass man das Emil und die Detektive selbst als Kind verschlungen hat. Ebenso die reine Neugier das altehrwürdige Opernhaus voller Kinder mitsamt der zugehörigen Nebengeräusche zu erleben.

Doch all dies sollte Nebensache sein. Denn zum einen ist Erich Kästners Geschichte zeitlos und hat mehrere Generationen beeinflusst und zum anderen wird hier eine hervorragende Umsetzung präsentiert. Die Geschichte, sofern nicht eh noch aus der eigenen Kindheit bekannt, ist schnell erklärt: Der junge Emil Tischbein wird auf der Zugfahrt zu seiner Großmutter ins ferne Berlin von einem dubiosen Mitreisenden beraubt. Da Emil selbst gerade Probleme mit der Polizei hat, mag er diese nicht um Hilfe bitten. In Berlin lernt er jedoch schnell neue Freunde rund um den umtriebigen Gustav mit der Hupe kennen. Diese helfen ihm auf seiner turbulenten Verbrecherjagd durch das große, laute und für Emil unbekannte Berlin der 1920er Jahre. Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt und vor allem aber geht es um das große Abenteuer im Großstadtdschungel.

Parole Emil (c) Lupi Spuma

Parole Emil (c) Lupi Spuma

Kästners Stück wurde vom gebürtigen Berliner Marc Schubring auf das Musicalformat adaptiert. Insbesondere die Gesangseinlagen schafften es auch nach dem Stück noch verstreut durch die Kehlen von Kindern durch das Opernhaus zu hallen. Das zeugt von einer Grundbegeisterung der kindlichen Zielgruppe. Aber auch den älteren Altersklassen war die Begeisterung anzumerken. Denn sowohl das Bühnenbild als auch die Kostümierung ließen gute Einblicke in die Zeit des Geschehens zu. Zudem sorgte die Inszenierung für großartiges Amüsement. Lediglich die gesungenen Textpassagen gingen im Raum ein wenig unter und waren teilweise schwer zu verstehen, wobei man dem Stück durchweg sehr gut folgen konnte. So war der abschließende enthusiastische Beifall nur logisch. Und mit dem einsetzenden Glitzerkonfettiregen hat das Next Liberty spätestens auch das allerletzte Kind begeistert sowie einigen Eltern damit Probleme bereitet ihre Kinder aus dem Zuschauerraum zu bekommen.

Maurizio Nobili (Musikalische Leitung), Michael Schilhan (Inszenierung), Alexia Redl (Ausstattung), Bernd Ertl (Illustrationen) und Ferdinando Chefalo (Choreographie) haben als Leadingteam der Aufführung ein erfolgreiches Gesamtprodukt kreiert, welches sicherlich nicht nur die anwesenden Kinder begeistert hat, sondern auch ihre volljährigen Begleiterinnen und Begleiter.

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Emil und die Detektive in der Oper Graz. Mehr Informationen zum Stück und zu weiteren Vorstellungen entnehmen Sie bitte der Homepage des Next Liberty.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s