Vom Sinn im Krieg…

Alex Lewis ist Kriegsfotograf, Sohn, Bruder, Kollege. Im Moment befindet er sich in einem Hotel – CACTUS LAND. Das Zimmermädchen entdeckt in einer Zeitung ein berühmtes, von Alex geschossenes Foto und tritt damit eine Lawine an Erinnerungen, Wünschen und Träumen in ihm los. Das Publikum nimmt an einer Berg- und Talfahrt in das Leben und Gewissen des Fotografen teil, die sich vor dem Hintergrund des Balkankrieges abspielt.

Im Schauspielhaus Graz inszeniert Lily Sykes das Stück „Cactus Land“ mit viel Inhalt – politisch wie persönlich. So werden auch die SchauspielerInnen nur zu UnterstützerInnen der Geschichte, die ein Konstrukt entwickeln hinter dem viel Gehalt steckt. Erwähnt werden MUSS der großartige Frauenchor; sechs Damen agieren wie ein Ganzes (die Großmutter) und unterstützen musikalisch die Traumwelt des Protagonisten und optisch die Inszenierung.

(c) Lupi Spuma

 

Der Einbezug des Balkankrieges ist sehr passend, denn hier treffen ebenso verschiedene Gruppen mit ihren Interessen aufeinander. Auch hier gerät Alex zwischen die Fronten, genauso wie in seiner Familie. Als Kriegsfotograf ist er mittendrin, aber doch nicht zwingend Teil des Geschehens – er ist Beobachter. Ebenso wirkt er wie ein Beobachter innerhalb seines Lebens,  Alex ist verloren und befindet sich auf Sinnsuche. Deswegen wird er von den Rückblicken so eingenommen. Er sehnt sich nach dem Krieg – nur wenn er ihn nach außen tragen kann wird der innerliche Kampf erträglicher.

(c) Lupi Spuma

 

Drei Frauen begleiten Alex in seinen Träumen und Erinnerungen: seine Mutter Valerie, seine Schwester Natascha und die Kollegin Martha – sie spiegeln seine inneren Stimmen wider. Als Mutter ermahnend und stolz aber gleichsam neidisch seiner Vorfahren gegenüber. Als Schwester verspielt, emotional und frei. Als Kollegin stark, überlegt, ja konsequent. Keine männlichen Figuren außer Alex füllen die Bühne, sie sind nur als Erinnerungen auf Bildern präsent und sind Vorbilder und Mahnungen zugleich. Alex‘ Kampf mit  dem Vergangenen ist mit seinem Berufsalltag zu vergleichen. Überall finden Auseinandersetzungen statt, man nimmt welche mit – vergessen kann man kaum eine. Hin und wieder platzt ein Konflikt wie ein Luftballon, dann wieder hinterlässt er Trümmer wie eine Handgranate. Alex spricht am Ende von einer Analogie, die auf so vieles, was einem im Leben wiederfährt zutrifft und sich ständig wiederholt: 1) etwas finden, das man liebt, 2) es festhalten und 3) es loslassen. Dabei steht er einen Luftballon festhaltend da. Loslassen kann er ihn nicht…

 

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