We care a Lot – Benefiz

Benefiz. Immer so eine Sache. Vorurteile von Champagner schlürfen und Kaviarhäppchen verspeisen, während man die neueste Abendgarderobe ausführt, nur um sich im Anschluss gegenseitig auf die Schulter zu klopfen, flirren durch den Kopf. Häufig scheint es genau darum zu gehen bei Benefizveranstaltungen. Und Ingrid Lausund probiert genau diese Absurditäten auf die Bühne zu bekommen.

(c) Lupi Spuma

(c) Lupi Spuma

Das Problem ist real existierend. Jeder rettet einen Afrikaner, genau dieses Gefühl ist es doch, welches vermittelt wird auf all diesen Galas und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Im Schauspielhaus sind wir live dabei. Das Stück getarnt als Probe eben einer solchen Veranstaltung. Strikte Rollenverteilung und schauspielerische Egos prallen aufeinander. Wer darf jetzt welche Passage übernehmen? Braucht das Stück eine prominentere Besetzung? Darf eine Dunkelhäutige mitspielen? Und das obwohl sie gar keine Afrikanerin sondern Europäerin ist? Was ist unterstützenswerter: ein obdachloser Straßenjunge oder ein amputiertes Mädchen? Alltägliche Rassismen werden hier aufgedeckt. Zutiefst verstörend und zugleich herzlich erheiternd. Darf man Lachen?

Bitterböse und höchst pointiert werden diese anderthalb Stunden abgehandelt. Das Publikum versinkt zwischen blankem Zynismus und akuter Selbstreflexion in einer Art Schockstarre mit lautem Gelächter. Man erkennt eigene Argumentationsstränge und fängt an diese zu überdenken. Heute ein Cocktail, morgen ein Menschenleben. Die zwei Seiten davon, was man mit zehn Euro anfangen kann.

Kann ein solcher Gedankengang aber jedoch den Verzicht einer Spende begründen? Kann es wirklich eine Begründung sein nicht zu spenden, weil man sich nicht zu 100 Prozent sicher ist, was mit dem Geld geschieht? Gerade in der Betrachtung der heutigen Konsumgesellschaft kann dies doch kein Argument sein, wo wir wirklich nicht den blassesten Schimmer davon haben wir die Produkte die wir konsumieren hergestellt worden sind. Warum vertrauen wir also großen Industriekonzernen mehr als Hilfsorganisationen?

Benefiz oder jeder rettet einen Afrikaner wirft Fragen auf. Unglaublich viele Fragen. Diese zu lösen ist nicht der Anspruch des Stückes, vielmehr die Bewusstseinsbildung. Und diesen Schritt vermittelt die Fünferriege auf der Bühne gekonnt, so dass man den Redoutensaal mit einem sehr mulmigen Gefühl verlässt und verlegen Geld in die bereit gestellten Spendenboxen wirft.

„it’s a dirty job but someone’s gotta do it“.

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Weitere Termine finden im Dezember und Jänner statt. Nähere Informationen dazu auf der Homepage des Schauspielhaus Graz.

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