Dead End: Cactus Land

Die Londoner Regisseurin Lily Sykes inszeniert „Cactus Land“ nach Motiven von Anthony Loyds „My War Gone By, I Miss It So“. Lyod ist britischer Kriegsjournalist und wurde bereits mehrfach für seine Fotos und Reportagen ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Amnesty International Award“ im Jahr 2013. (Besetzung)

1880. 1966. 1972. 1992. … heute.

Faszination ist der Grund, warum Menschen freiwillig in den Krieg ziehen. Sie kann sogar so weit reichen, dass man sich irgendwann vor der Normalität des Alltags fürchtet.

Der Krieg hinterlässt Spuren, offensichtliche und versteckte. Wenn diese Spuren lebendig werden und einen zu verfolgen beginnen, dann wird die gegenwärtige Normalität zum Schauplatz eines Krieges. Selbst der Griff zum Duschgel, auf dem steht: „Wash&Go“, wird dann spitz interpretiert: Leben oder weitermachen und sterben. – Anyway…

My War Gone By, I Miss It So“ ist das Portrait eines persönlichen Krieges. Das Buch beschreibt die Grausamkeit des Krieges und ist Zeugnis des augenscheinlichen Grauens, das Menschen einander bereit sind anzutun. Gleichzeitig zeigt Lyod darin schonungslos ehrlich, wie er mit dem Krieg umgeht, dass er davon verfolgt wird und  doch noch immer von ihm fasziniert ist.

Für Lewis wurde ‚der’ Krieg zu ‚seinem’ Krieg. Lily Sykes inszeniert das in „Cactus Land“ so: Alex Lewis (alias Anthony Lyod) befindet sich in seinem Hotelzimmer, wo er von den Geistern seines Krieges heimgesucht wird.

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(c) Lupi Spuma

Innerhalb der zwei Stunden öffnen sich dem Zuseher Türen des Verständnisses, die davor nicht existierten. Geschickt verknüpft Sykes Lyods Geschichte mit der ihrer eigenen Mutter, einer „Heimat“-Dokumentarfilmerin. Was harmlos klingt, schafft Komplexes pointiert zu vermitteln. Die Themen sind vielfältig, die Struktur vielschichtig, die Botschaften tückisch-sarkastisch, aber zu viele an der Zahl. Die Opulenz des Pointierten unterläuft so dessen Leistung.

Die besetzten Zuschauerreihen gingen nicht über das Parterre hinaus –

Hätte man dem Stück seine zweite Hälfte verwehrt – Der Song nach der Pause wäre als Schluss nicht zu toppen gewesen: „Cactus Land. This is our world now. Deadland.“

 

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